Adis von RESHOE im Interview mit drei Tipps zur Schuhpflege

Aktualisiert: Okt 27

Adis führt die Sneaker-Online-Schuhreinigung RESHOE mit Sitz in Berlin Moabit. Das gut laufende Konzept sorgt innerhalb von zwei bis drei Tagen für saubere Schuhe für Kunden aus ganz Deutschland. Innerhalb Berlins kann man die Schuhe auch kostenlos abholen lassen. Auf der Website wählt man dann aus verschieden Leistungen, von diversen Einzelleistungen, die man sich zusammenstellt, oder ein Komplettpaket.


Innerlich ist Adis ein Sneaker-Freak, obwohl er viel weniger kauft, als er gern würde. Mit Adis durfte ich in dem schönen Schuhputz-Workshop-Store ein Interview zu seinem Unternehmen führen.

Adis und ein Teil seines RESHOE Teams am Tag des Interviews

Wie kam es dazu, dass du RESHOE gegründet hast?


Generell stehe ich auf Herausforderungen und RESHOE war eine echte Herausforderung, da ich in diese Richtung noch nichts gemacht hatte. Ein Kollege hatte uns, mir und meinem Mitgründer, der heute aber nichtmehr mit dabei ist, erzählt, dass er Sneaker-Reinigungen in USA gesehen hätte. Ich war mir damals sicher, würde so etwas auch sicher in einer Stadt wie Berlin geben. Gab es aber nicht. Wir hatten dann mit vielen geredet und viel recherchiert, aber wir hatten da wohl eine Marktlücke hier in Deutschland entdeckt. Wir wollten die ersten sein die so einen professionellen Service in Deutschland anbieten.


Wie lange hat es von der Idee bis zur Eröffnung gedauert?


Das ging eigentlich schnell. Von dem Tag an, als wir die Idee konkret besprochen hatten bis wir den ersten Schuh gegen Bezahlung gereinigt haben waren es 18 Monate.

Wir haben viel mit Leuten geredet und uns war klar, dass die Reinigung auszuführen nicht das Problem sein würde, sondern wie das Unternehmen dahinter wohl aussehen müsste, dass diese Dienstleistung, die hier eher unbekannt war, anbietet würde. Also uns war von Anfang an bewusst, dass das Problem nicht sein würde, das Unternehmen bekannt zu machen, sondern die Dienstleistung als solche zu pushen. So etwas gab es eben noch nicht, d.h. wir wussten, keiner würde gezielt danach suchen. Wir wussten also, dass wir die Nachfrage selbst ‚wecken’ müssten und, dass wir die Dienstleistung in ganz Deutschland anbieten wollten. Das waren unsere beiden wirklichen Challenges an der Geschäftsidee.


Das Erste, was wir gemacht hatten, war, dass wir ein Objekt gesucht haben, wo wir rein könnten und wir wollten gleich eine Webseite aufbauen. Wir haben dann in ein System investiert, was mit einer intern genutzten App, also einem digitalen Lieferschein, arbeitet. Auf der Webseite kommunizieren wir Dienstleitungen und Preise, die der Kunde bucht diese dann und wenn der Schuh hier ankommt, sagt uns das System was genau zu tun ist. Der Schuh kommt dann in eine Box, die mit einem QR-Code versehen ist und per Smartphone und App uns sagt was genau gebucht wurde, welche Behandlung ansteht, was schon gemacht wurde und wem der Schuh gehört. Ich wollte RESHOE gleich skalierbar machen. Wir haben von Anfang an sehr kundenzentriert und prozessorientiert gedacht. Was will der Kunde? Wie können wir ihm das am schnellsten liefern? Wir dokumentieren auch, wie der Schuh vor der Reinigung aussah und die wie er nachher aussieht. Wir haben eben erst etwas aufgebaut, was funktioniert und skalierbar ist. Dann haben wir erst angefangen, Schuhe zu reinigen.

Und seit Sommer 2017 gibt es uns, als Unternehmen, das aktiv reinigt.


Bekomme ich als Kunde immer Vorher-Nachher Bilder mitgeliefert? Ich kann mir vorstellen, viele vergessen auch, wie der Schuh vorher aussah.


Nein, das machen wir nur auf Anfrage. Wir machen die eher für uns. Es ist hilfreich wenn man die Vorher Fotos hat um zum Beispiel, zu wissen wie der Schuh vorher geschnürt war, oder ob er mit oder ohne Einlegesohlen bei uns angekommen ist.

Mein rosa Onisuka Tiger Sneaker vor und nach der Reinigung bei RESHOE

Nach über zwei Jahren Erfahrung: Was würdest du sagen, wie hat es sich entwickelt?


Ich würde sagen, die Kunden aus Berlin machen noch den größten Anteil der Kundschaft aus. So 70% zu 30%. Von den 70% in Berlin kommen vielleicht 60 % bei uns im Laden vorbei und 10% nehmen den Abhol- und Bring Service in Anspruch, den wir anbieten.

Unsere Kunden sind seit Tag eins ganz gemischt. Also nicht nur Sneakerheads. Wir haben Kunden, die einen 15-Euro-H&M-Sneaker abgeben und den für 29,90 Euro reinigen lassen. Eben weil sie nachhaltig denken oder weil es eben ein Lieblingsschuh ist. Wir haben auch welche, die Highheel-Pumps vorbeibringen und die reinigen lassen, weil sie das Konzept gut finden und sich selbst die Mühe nicht machen wollen.

Und dann haben wir auch die Sneakernerds, die ihren Sneaker zweimal an hatten und einfach wieder eine saubere Sohle wollen. Es ist gut, dass sie uns mit ihren teuren Sneakern vertrauen.




Wie würdest du sagen, teilen sich die Kunden auf zwischen Sneakern und Brown-Shoes? Und was sind jeweils ihre Beweggründe für die Schuh-Reinigung?


Wir reinigen zu 80% Sneaker und zu 20% andere Schuhe.


Aber wieso die Kunden Schuhe reinigen, ist schwer zu sagen, wie würdest du die Kunden nennen, die einen 08/15 New Balance Sneaker reinigen lassen? Wir wissen nicht, ob es ihnen um die Nachhaltigkeit oder um ihren Lieblingsschuh geht.


Für Sneaker ist die beliebteste Farbe weiß, da hat es einen besonderen Stellenwert, dass die sauber sind, besonders dann, wenn man die ins Office anzieht. Seht ihr das hier auch?


Ja, ich würde sagen, dass 60-70% der Sneaker, die wir reinigen, weiß sind.


War Nachhaltigkeit ein Motivationsgrund für dich RESHOE zu gründen?


Die Sache mit der Nachhaltigkeit war schon immer da, deswegen auch das RE im Namen, aber ehrlich gesagt war es zuerst nicht so prominent, wie es jetzt für uns ist. Die öffentliche Debatte hat dem Service, den wir anbieten, noch einen stärkeren Nachdruck gegeben. Nicht nur bei unseren Kunden, sondern auch bei uns ihm Team.

Wir haben den Namen RE’SHOE’ gewählt, weil wir nicht nur auf Sneaker setzten wollten, aber das ‚RE’ im Namen, war von Anfang an ein fester Teil, aber ja, gerade wird dieser Teil für uns stärker.

Für 2020 ist es für uns auch wichtig, nicht ‚WIE’ bisher nur davon zu reden, wie wir die Schuhe reinigen, sondern auch darüber zu reden ‚WARUM’ zu reden. Warum sollte man Schuhe reinigen und pflegen? Welchen Wert hat es?


Ihr arbeitet ja mit der Firma Collonil zusammen, also verwendet die Reinigungs- und Pflegemittel dieser Firma. Wieso habt ihr die ausgewählt?


Wir waren sogar der erster Servicepoint der von Collonil benannt wurde in Berlin. Das heißt, dass Collonil als großes Unternehmen damit sagt: Denen könnt ihr vertrauen, die arbeiten perfekt mit unseren Produkten und das Endergebnis ist so, wie wir uns das vorstellen.

Die haben ja auch eine Sneaker-Putzmittel-Produktlinie. Arbeit ihr schon lange damit?

Wir haben viel getestet und haben uns dann für Collonil entschieden, weil die Firma langjährige Erfahrung hat, ich glaub 110 Jahre, und einfach gute Produkte macht. Außerdem sitzen sie auch in Berlin, das macht die Zusammenarbeit leichter. Die Produkte sind sogar Made-In-Berlin. Die senden uns ihre Produkte in großen, nachfüllbaren Behältern, die wir ihnen leer wieder zurückgeben und sie die auffüllen.


Also hältst du nicht viel von den amerikanischen Sneaker-Putzmitteln und den entsprechenden Eigenen von Sneaker-Marken?


Ich sag es mal so: Viele davon sind Chemiecocktails aus China. Wir hatten sogar auch überlegt, ob wir eine eigene Serie machen und haben dann gemerkt, dass viele andere zwar gutes Marketing machen, aber Produkte, die für uns eher unzureichend sind. Bei Collonil ist das anders. Die machen einfach nur gute Produkte mit denen wir gute Ergebnisse für den Kunden erzielen.


Wo soll es für euch in den nächsten fünf Jahren hingehen?


Ich habe gemerkt, dass der Onlineservice nicht so attraktiv ist wie der Vor-Ort-Service. Ich glaube, wir müssen mehr an Filialen denken und an Service-Points. Mehr Arbeitsplätze schaffen, mehr auf das RE und die Nachhaltigkeit eingehen. Wir wollen möglichst vielen Schuhen ein längeres Leben schenken.


Wo denkst du liegt die größte Challenge für euch?


Bei den Leuten muss es Klick machen. Es ist unsere Aufgabe, die Leute zu sensibilisieren, dass sie ihre Sachen mal pflegen und reinigen sollen, indem es so einen Service gibt. Ich mache, obwohl ich alle Utensilien Zuhause habe, meine Schuhe nur selten selbst in meiner Wohnung sauber. Ich denke, anderen geht es auch so. Wenn Services wie unserer bekannter werden und man ihn regelmäßig nutzt, kann man das Leben eines Schuhs ziemlich

verlängern.


Wenn Leute wissen, dass es uns gibt, kommen sie viel regelmäßiger und verstehen den Benefit auch besser. Wir müssen da noch viel Aufklärungsarbeit machen. Also ist unsere derzeitige Challenge noch die gleiche wie zu Anfang. Den Service als solchen bekannt machen und seine Vorteile kommunizieren.



Danke Adis für das nette Interview.


Und hier noch seine persönlichen drei Tipps zur Schuhpflege:


1. Schuhe schon vor dem ersten Tragen imprägnieren. 

Erhöht die Lebensdauer der Schuhe 2. Schuhspanner verwenden.   Beugt Gehfalten vor und der Schuh behält langfristig seine ursprüngliche Form 3. Schuhe regelmäßig wechseln!   Vor allem Lederschuhe, nehmen während der Tragezeit Feuchtigkeit auf und genau so brauchen sie Zeit zum trocken & lüften


Ich habe ja früher selbst in Schuhläden gearbeitet und kenne die Collonil-Produkte nur allzu gut. Das Sohlentonic und Leathergel verwende ich bis heute. Und dank Adis, kann ich jetzt meine puder-rosanen Sneaker auch wieder ins Büro anziehen.


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