Ankauf, Inzahlungnahme, Spende - wo sind die Unterschiede?

Aktualisiert: Okt 27

Wenn man diese drei Begriffe in der Überschrift liest, dann scheinen die Unterschiede zwischen den Konzepten recht klar zu sein. In der Praxis allerdings verschwimmen die Grenzen sehr schnell und es fällt plötzlich schwer die Konzepte voneinander abzugrenzen. Dies liegt unter anderem daran, dass einige Unternehmen mit den Begriffen und der Beschreibung ihres Geschäftsmodells variieren und uns so (absichtlich oder nicht) in die Irre führen.


Nehmt zum Beispiel das Spendenkonzept. Dies basiert auf Gemeinnützigkeit und ist daher nie in einer Mischform mit den beiden kommerziellen Konzepten (Inzahlungnahme und Ankauf) zu finden. Allerdings borgen sich die Kommerziellen oft die Art und Weise der Kommunikation von Spendenplattformen, weswegen die Unterschiede für den Kunden plötzlich verschwimmen und doch der Eindruck entsteht es würde sich um eine Spende handeln. Dann entdeckt man plötzlich, dass eine sogenannte Kleiderspende, mit der man eigentlich etwas Gutes tun wollte, von einem Unternehmen verwendet wird um Profit zu machen und dieser nicht für wohltätige Zwecke genutzt wird.

Zudem werden die Konzepte Ankauf und Inzahlungnahme oft vermischt, daher finde ich es wichtig zu erklären wo hier die Unterschiede liegen. Bei manchen Händlern oder Marken, hat man zum Beispiel die Wahl, ob man etwas in Zahlung gibt oder eine Auszahlung möchte. So z.B. bei zoxs.de, da kann ich mich selbst entscheiden, ob ich meine Titanic DVD für 10 Cent cash an den Händler verkaufe oder lieber 20 Cent als Guthaben im Zoxs-Shop erhalte. Bei Händlern die eine Wahl zwischen diesen beiden Möglichkeiten bieten, ist der angebotene Betrag zur Auszahlung meist geringer als der Gutschein für den eigenen Laden.

Mit diesem Post ist es mir wichtig zu zeigen, wie diese drei Konzepte funktionieren und was sie bedeuten, sodass ihr genau wisst, was mit euren Sachen passiert und was die Intention der Akteure dahinter ist.



Ankauf:


Ein Unternehmen kauft ein Produkt von einer Privatperson an. Der Verkäufer erhält dafür einen Betrag (Bar oder als Überweisung), mit dem er machen kann was er will. Dies wird meisten von Unternehmen gemacht, die sich auf Gebrauchthandel spezialisiert haben. Das heiß, sie kaufen ihre Waren von Privatpersonen an, die bei ihrem Geschäftsmodell ihre Lieferkette darstellen. Beim Handel mit solchen Produkten spricht man von ReCommerce-Unternehmen.


Wieso bieten diese Unternehmen Ankauf an?

Der Ankauf ist Kern des Geschäftskonzeptes und die Ankaufspreise unterliegen strengen Berechnungen.


Vorteile für den Verkäufer:

  • Er erhält auf schnellem und einfachem Weg bares Geld zu seiner freien Verfügung.


Nachteile für den Verkäufer:

  • Er erhält aufgrund der strengen Berechnung meist einen geringeren Ankaufspreis für seine Ware, als diese auf dem freien Markt wert ist (im Gegensatz zum Verkauf auf einem Marktplatz wie ebay).

  • Zudem nehmen diese Unternehmen nicht alle Waren (oder Warenzustände) an.


Was passiert mit der gebrauchten Ware?

Das Unternehmen verkauft die angekaufte Ware mit einem Profit und hält das Unternehmen gesund bzw. versucht zu wachsen.

Waren die keinen Profit mehr bringen, werden in der Regel gar nicht angekauft.


Inzahlungnahme:


Dieses Konzept kennt man am ehesten aus der Automobilbranche. Ein Autohändler nimmt den gebrauchten Wagen im Tausch für einen Rabatt/Nachlass auf einen neuen Wagen an. Das spart dem Käufer den lästigen Schritt, sein altes Auto erst privat zu verkaufen oder sogar verschrotten zu müssen, bevor er sich einen Neuwagen mit dem Geld leisten kann. Der Kunde kann praktisch mit dem alten Auto zum Händler fahren und mit dem Neuen wieder nach hause.

Jedes Angebot wird individuell gemacht. Im Autohandel funktioniert dies meist heute noch so, auch wenn man ab und zu hört, dass Autos auch pauschal in Zahlung genommen werden.

Dies pauschale Inzahlungnahme findet man derzeit bei immer mehr Händlern in immer mehr Branchen.

Je nach Branche und Marke gibt es hier verschiedene Ansätze. Ich unterscheide folgende Drei:


  • PRODUKT-SPEZIFISCH

Apple hat z.B. begonnen ihre alten Geräte für Neue in Zahlung zu nehmen. Hier wird das eingesendete alte Gerät individuell numerisch (auf einen genauen Ankaufspreis) bewertet. Dieser Betrag wird als Rabatt von dem UVP des neuen Gerätes, das der Kunde kauft, abgezogen. Dieses ist dann kein Gutschein und kann nicht auf beliebige Artikel angewendet werden (in einigen Stores in den USA, Italien und UK nimmt Apple auch schon Android-Produkte in Zahlung).


  • WERT-GUTSCHEINE

Zalando hat z.B. begonnen, gebrauchte Kleidung in Zahlung zu nehmen, auch wenn in der Kommunikation überall der Begriff ‘Ankauf und Sofortkauf’ verwendet wird. Hier werden Damen Kleidungsstücke von über 1500 Marken (auch Marken, die nicht bei Zalando gehandelt werden) für einen Festpreis in Zahlung genommen. Man erhält den exakten Wert als Zalando Gutschein auf Neuware.


  • PROZENT-GUTSCHEINE

Vagabond hat z.B. begonnen, gebrauchte Schuhe gegen Gutscheine anzunehmen. Für jedes Paar Schuhe, egal in welcher Kondition und Marke, erhält man pauschal einen 10% Rabattgutschein für das nächste Paar Vagabond Schuhe bei ihnen im Laden. Genau so oder so ähnlich machen es viele andere Unternehme wie z.B. H&M. Pro abgegeben Tasche Altkleider erhält man einen 10% Gutschein für den nächsten Einkauf.


Wieso bieten die Unternehmen Inzahlungnahme an?

Die Inzahlungnahme ist nicht fester Bestandteil ihres Geschäftskonzeptes, sondern sie wird häufig als Anreiz genutzt dem Kunden etwas Neues zu verkaufen, was das eigentliche Geschäftsmodell ist.

Es bindet die Kunden an einen Händler oder eine Marke.


Vorteile für den Kunden:

  • Er erhält einen Rabatt auf ein neues Produkt welches er gerne möchte.

  • Er muss sich nicht um die weitere Verwendung oder Entsorgung seines alten Produktes kümmern.

  • Es ist eine Entsorgung mit Belohnung.


Nachteile für den Kunden:

  • Er erhält eventuell weniger Gegenwert, als das Produkt noch auf dem Markt wert ist (im Gegensatz zum Verkauf auf dem Marktplatz).


Was passiert dann mit den alten Produkten?

Das Unternehmen kann aus den alten Produkten noch Profit schlagen.

Die Produkte, die keinen Profit mehr bringen, werden verschrottet bzw. recycled. Die Kosten, die für das Recycling anfallen, werden aus dem Profit der anderen in Zahlung genommenen Artikel bezahlt.


Spende:


Bevor ich jetzt selbst eine Definition schreibe, leihe ich mir die von Wikipedia. ‘Eine Spende ist eine freiwillige Zuwendung für einen religiösen, wissenschaftlichen, gemeinnützigen, kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Zweck. Spendenempfänger können gemeinnützige Vereine, Stiftungen, politische Parteien, Hilfsorganisationen oder Religionsgemeinschaften sein. Spenden können in Geld oder Sachleistungen bestehen oder in einem Verzicht auf Arbeitsentgelt für geleistete Arbeit (Zeitspende).’


Demnach findet eine Spende ganz ohne Gegenleistung statt.

Rechtlich muss keine Organisation eine Spende annehmen (falls ihr schonmal was bei Oxfam abgeben wolltet, wisst ihr das sicher). Ein wirtschaftliches Unternehmen kann im Grunde nur Spenden annehmen, wenn sie dafür eine Organisation (z.B. einen Verein oder Stiftung) gegründet haben, welche sich um ein gemeinnütziges oder kulturelles Projekt kümmert. Dabei geht es vor allem um die Art und Weise wie Gelder abgerechnet werden können bzw. Spendenbescheinigungen ausgestellt werden können. Wenn man z.B. etwas an ein Unternehmen spenden würde, müsste dies in dessen Bilanz (Gewinn/Verlustrechnung) vorkommen.


Wieso bieten Vereine und andere Organisation die Möglichkeit für Sachspenden an?

Dies ist eine Möglichkeit für Organisationen ihre Projekte entweder mit Sachleistungen oder mit aus dem Verkauf von Sachleistungen verdienten Geld zu unterstützen.


Vorteile für den Spender:

  • Gutes Gewissen die Dinge die er nicht mehr braucht, die aber noch einen Wert haben, für Andere zur Verfügung zu stellen.

  • Er muss sich nicht um die weitere Verwendung oder Entsorgung der Sachen kümmern.


Nachteile für den Spender:

  • Er verzichtet auf den Gegenwert der Ware (im Gegensatz zum Verkauf auf dem Marktplatz).


Was passiert mit den gespendeten Sachen?

Sie werden meistens nicht direkt an bedürftige Menschen oder Einrichtungen gegeben.

Die Produkte werden verkauft und Profit aus ihnen geschlagen. Dieser Profit wird dann verwendet, um Dinge und Services an bedürftige Menschen und Einrichtungen zu geben.

Die Produkte, die weder direkt gespendet werden können noch Profit bringen, werden verschrottet bzw. recycled. Die Kosten, die dafür anfallen, werden aus dem Profit der anderen Spendenleistungen bezahlt. Dies ist auch der Grund, dass Organisationen Spenden ablehnen, die sie eher als Belastung mit folgenden Kosten und Aufwand einschätzen.

Wenn ihr nun das nächste Mal einen Pullover abgeben wollt den ihr nicht mehr tragt, fragt euch bewusst:


  • Wollt ihr ihn einsetzten, um etwas Gutes zu stiften? SPENDEN

  • Braucht ihr ein neues Kleidungsstück und würdet ihn gerne nutzen, um den Neupreis von diesem zu minimieren? INZAHLUNGNAHME

  • Oder ihr braucht gerade Kohle für etwas ganz anderes und spart jeden Cent dafür. VERKAUFEN

Ich hoffe, der Artikel hat euch zumindest einen Denkanstoß gegeben.






Quellen

www.giga.de

www.derzeitvertreiber.com

www.wikipedia.org

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