Hendrik liefert mit seinem Unternehmen Lösungsansätze, um Produkte länger leben zu lassen

Aktualisiert: Aug 21

Am Tag 50 meines Projektes durfte ich ein Interview mit dem Geschäftsführer von der Relenda GmbH, Hendrik Scheuschner, führen. Was den Miet-Commerce von Kleidung angeht, schien mir die Relenda GmbH die beste Adresse zu sein, um mehr darüber herauszufinden. Hendrik und ich führten ein spannendes Telefoninterview, in dem ich alle meine Fragen zu Relenda stellen durfte, auch wenn ich nicht auf jede Frage eine Antwort erhielt. Mir wurde klar, dass Relenda viel mehr als ein Miet-Commerce Unternehmen ist. In den letzen Wochen seit unserem Gespräch hat Relenda auch eine neue Website gelauncht, woraufhin ich auch das Firmenprofil aktualisiert habe. Am 20.08.2020 erreichte mich dann auf Social Media die Nachricht, dass Relenda den Miet-Service für alle ihre Konzepte einstellt. Worauf ich das Firmenprofil nicht mehr aktualisiert habe.


Hier findet ihr aber das original Interview mit Hendrik vom 19.02.2020


Ihr habt derzeit fünf Konzepte im Miet-Commerce. Kannst du mir erklären, an wen die sich richten?


Wir haben derzeit CottonBudBaby, einen Miet-Kleidungsservice für die ersten zwölf Monate eines Kindes und kilenda als flexibles Kinderkleidung-Mietprogramm, dazu gehört der kilenda Klub, bei dem es die gleichen Produkte aber in einem Abo-Modell gibt. Daneben betreiben wir Tchibo-Share und haben mit STAY AWHILE den Schritt in die Damenkleidung gewagt.

Hendrik Scheuscher, Geschäftsführer der Relenda GmbH

CottonBudBaby ist eine kleines Premiummodell für Kindermode. Hier bieten wir ökologische und faire Produkte für Kinder im ersten Lebensjahr an. Unsere Produkte sind alle Gots zertifiziert. Unsere Kunden kommen meist aus dem oberen Einkommensbereich, häufig Akademiker und nachhaltig eingestellt. Auch das Thema minimalster Lebensstil spielt bei unseren Kunden eine wichtige Rolle. Es ist ein sorgloses Paket, was wir ihnen mit CottonBudBaby anbieten: Wir stellen nach ihren Vorlieben ein Paket zusammen und berücksichtigen dabei das Alter des Kindes, die Jahreszeit und das Wetter. Der Preis mit 65 Euro pro Monat ist nicht gerade günstig, aber es ist das höchste Level an Service den man anbieten kann und diesen Services gibt es nun schon seit 2014.


Das Konzept hinter kilenda ist im Gegensatz zu CottonBudBaby eher eines für die breite Masse: Hier kann man sich Styles von allseits bekannten Marken ganz flexibel, taggenau so mieten, wie man sie gerade braucht.

Da es unser Ziel ist, dass Kleidung länger lebt, also in Gebrauch zu lassen, haben wir 2018 zusätzlich den kilenda Klub ins Leben gerufen. Der kilenda Klub ist für Kunden einfacher zu handhaben und deutlich preisgünstiger. Den Preisunterschied können wir ermöglichen, da wir im Abo ca. 60% weniger Pakete verschicken, gegenüber dem normalen kilenda Konzept.

Im Klub erhalten Eltern sieben Kleidungsstücke ab 29 Euro. Was man nicht mehr braucht, wird getauscht. Das sind dann vier bis fünf Euro pro Teil. Für fünf Euro mehr im Monat kann man auch einen Style mehr ausleihen.

Im kilenda Klub haben wir eine sehr hohe Kundenzufriedenheit. Vor allem bei denen, die einmal im Quartal etwas tauschen. Da hat man dann für 90 Euro sieben qualitative Teile Zuhause. Für 90 Euro bekommt man nicht mal beim schwedischen Textildiscounter sieben Teile, um sein Kind anzuziehen.


Wie hoch ist denn der Verschleiß bei den Kinderkleidern? Den stelle ich mir ziemlich hoch vor.


Ehrlich gesagt ist Verschleiß kein außerordentliches Problem. Mit unseren Sachen wird echt gut umgegangen. Im Schnitt verleihen wir ein Kleidungsstück vier- bis fünfmal bevor es kaputt ist.


Und wie bekommt man die Sachen von Kindern wieder sauber? Das ist ja vor allem bei Kleinkindern gar nicht so einfach.


Viele Flecken bekommen wir raus: Wir nutzen das gleiche Waschverfahren, das auch Krankenhäuser für ihre Baby-Wäsche nutzen. Zusätzlich achten wir aber natürlich auch beim Einkauf auf „Miettauglichkeit“. Das heißt, wir verzichten tendenziell auf zu feine Materialien wie Seide und Wolle und wählen auch Farben aus, die eher gedeckt sind, also nicht zu empfindlich.


Gab es auch Produkte, mit denen ihr schlechte Erfahrungen gemacht habt, die nicht funktioniert haben?


Spielwaren haben nicht so recht geklappt. Das war für mich eine ziemliche Ernüchterung. Die Spielsachen kamen fast immer aufgrund von Sollbruchstellen kaputt zurück. Kinderwägen waren auch so eine schmerzliche Erfahrung für uns: Das ganze Handling ist sehr teuer und die Kunden sehr pingelig. Gefühlt war jeder Kratzer ein Beschwerdegrund. Für solche portointensiven Ausstattungen lohnt sich der Kauf von Secondhand auf regionalen Märkten wohl einfach mehr als die Vermietung.

Manche Spielwaren, wie z.B. Puky-Fahrräder oder Babytragen funktionieren ganz toll im Mietkonzept.


Und seit nun gut einem Jahr habt ihr auch ein Miet-Abo für Damenkleidung. Wie kam es dazu und welche Rolle spielte dabei Thekla Wilkening?


In den letzten Jahren hat sich der Secondhand Markt so rasant verändert, dass wir bei Relenda immer nach einer Möglichkeit gesucht haben, in dem Bereich der Damenkleidung etwas zu machen. Zusammen mit Thekla konnten wir die Erfahrungen, die sie mit der Kleiderei gemacht hatte, nutzen und mit ihr zusammen STAY AWHILE (mehr zu STAY AWHILE hier) entwickeln. Die Kreislaufwirtschaft ist ihr Metier und sie steht gerne auf der Bühne und informiert bzw. sensibilisiert für einen nachhaltigeren Umgang mit Mode.

Bei der Kleidung, die wir bei Stay Awhile zur Miete anbieten, handelt es sich vor allem um Kleidung von Marken, die auf faire und biologische Herstellung achten. Einiges, was wir im Sortiment haben, ist auch ‚Deadstock’, also neuwertige Ware, die aber nicht mehr als “Neu” verkauft werden kann, weil z.B die Hangtags fehlen oder sie Retouren waren, die man nicht mehr als “Neu” für den Verkauf deklarieren konnte.

Retourenware ist ohnehin ein spannender Bereich für uns: Es gibt Retouren, welche Händler nicht wieder als Neuware vertreiben können – bspw. weil Kunden sie getragen und trotzdem widerrufen haben. Für uns ist diese Ware ideal. Aktuell sind wir diesbezüglich mit einigen Marken im Gespräch. Wenn erst das geplante Retourengesetz in Kraft tritt, werden sich viel mehr Marken Lösungen überlegen müssen.

Also ist Relenda GmbH viel mehr als nur ein Miet-Commerce-Unternehmen. Wo geht die Reise in den nächsten Jahren hin?


Unsere Vision ist es, mit unseren Konzepten Kleidung ein langes Leben zu ermöglichen. Das tun wir einerseits mit unseren Mietangeboten. Aber andererseits fungieren wir auch als ‚Enabler’ für traditionelle Textilunternehmen, in dem wir mit ihnen zusammen Lösungskonzepte für einen nachhaltigeren Umgang mit Textilien erarbeiten.

Wer steht hinter der Relenda GmbH? Ich glaube gelesen zu haben, dass das ein Konzern ist.


Ja, das ist die Interseroh Dienstleistungs GmbH, ein Unternehmen, das für zahlreiche wirklich clevere ‚Zero Waste Solutions’ steht.


Im Nachgang zum Interview habe ich mich dann noch über die Interseroh schlau gemacht: Die Interseroh gehört zu den führenden Anbietern von Dienstleistungen rund um die Schließung von Produkt-, Material- und Logistikkreisläufen. Gemeinsam mit Kunden in ganz Europa gestalten sie Full-Service-Lösungen und Produkte, die die Nachhaltigkeitsleistung der Unternehmen gezielt verbessern – ein Plus für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Auf der Homepage von Interseroh finden sich viele namhafte Unternehmen aus allen Branchen, die mit ihnen zusammenarbeiten.

Ich muss sagen, ich hatte die Relenda GmbH komplett in die falsche Ecke gestellt. Vielen Dank an Hendrik, der sich die Zeit genommen hat, um mir dieses extra Input zu geben.

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