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ITSAPARK: 4 kritische Fragen zu dem H&M-Konzept, um die man nicht herumkommt

Aktualisiert: Aug 20

ITSAPARK ist ein neuer Multi-Brand-Shop für verantwortungsbewusste Produkte und Services, der am 5. Mai diesen Jahres exklusiv in Deutschland gelauncht hat. Dort gibt es Mode, Beauty und Wellness sowie Rental-Angebote und Pflege-Tipps. Ich hatte diesen Launch nicht so recht auf dem Schirm, bis ich letzte Woche sehr viel Werbung zu dem Konzept sah. Zuviel Werbung um ehrlich zu sein, die sich ein Start-Up ohne Investoren nicht leisten könnte. Heute nach einem Telefonat die Gewissheit: holly shit, it´s H&M again. Hätte ich doch vorher mal kurz gegoogelt.

Was ist ITSAPARK?


ITSAPARK ist ein Onlineshop der seinen Kund:innen eine kuratierte Produktauswahl von rund 100 Marken anbietet, mit denen er nach einer Art Marketplatz-Prinzip zusammenarbeitet. Zu diesen zählen kleine Beauty-Brands genauso wie lokale Interior-Manufakturen oder auch eine Rental-Plattform.

Nach eigener Aussage ist ITSAPARK "... ein Ort für mehr Vibes und weniger Regeln, mehr Style und weniger konventionelle Trends, mehr Nachhaltigkeit und weniger Verschwendung." Klingt erstmal cool und lässig. Denn sie wollen sich bewusst abheben von nachhaltigen Onlineshops, die nach klassischem Reformhaus Öko oder dem Waschbär-Katalog aussehen. Laut ITSAPARK sind Kund:innen dazu bereit, nachhaltiger zu agieren,

aber es herrsche eine große Lücke zwischen Nachfrage und Realität - das Angebot sei nicht attraktiv genug. Man müsse es den Kund:innen einfach machen, nachhaltig zu konsumieren und genau darum geht es bei ITSAPARK. Eigentlich ist das, was ITSAPARK macht, total meine Vision: man kauft schöne Dinge und es ist in erster Linie egal ob sie Secondhand sind, oder nachhaltig, Hauptsache sie richten keinen neuen Schaden an.


Was bieten Sie ihren Kund:innen an?


(Werbetext) ITSAPARK weiß, die Menschen wollen und werden ohnehin konsumieren. Und da das nun einmal so ist, wollen sie es ihnen zumindest so attraktiv und angenehm gestalten, es nachhaltig zu tun. Jedes Produkt hinterlässt einen Fußabdruck auf der Erde. Aber je kleiner dieser ist, desto besser. Wenn außerdem jede:r Konsument:in sich vor einem Kauf Folgendes fragt, würde sich auch schon viel ändern: Brauche ich das wirklich selbst oder kann ich es auch leihen? Brauche ist es wirklich in neuer Version oder tut es auch ein Second-Hand-Produkt? Und wenn ich es neu kaufe, kann ich es dann in einer nachhaltigen Version finden?

Sie möchten ihren Kund:innen bei bewussten Kaufentscheidungen helfen, mit zirkulären Services unterstützen, verantwortungsbewusst hergestellte Produkte zur Verfügung stellen und inspirieren, das zu lieben, was man bereits besitzt. Dabei soll ITSAPARK wie ein Park sein, offen für jede:n und jegliche Möglichkeiten. Unter der Voraussetzung von gewissen Regeln, was bei ihnen die Aspekte der Nachhaltigkeit sind.


Wenn man das so liest, hört sich das erstmal sehr vernünftig an, oder?

Bis zu dem Moment in dem man in das Impressum klickt und liest, dass ITSAPARK eine Marke der H&M Gruppe ist. Dann wundert man sich erstmal und denkt, dass passt doch nicht zusammen. Zumindest ging es mir so. Zwar hat der schwedische Fast Fashion-Riese hart an seinem Ruf als umweltfreundliche, erschwingliche und doch nachhaltige Marke gearbeitet, aber er bleibt im Grunde bei seinem Geschäftsmodell, das darauf beruht, Verbraucher jede Woche mit neuen Kleidungsstücken zu bombardieren. Daraufhin habe ich mir vier Fragen gestellt, die ich mit euch teilen möchte:



Was genau macht ITSAPARK?


Nun ja, ITSAPRAK ist eine Plattform die nachhaltigen Konsumenten, oder solchen die es werden wollen, dienen will. Aber kein Shop. Kurz gesagt, H&M bietet mit ITSAPARK nur den Online Marktplatz über die 'nachhaltige' Dinge verkauft werden und H&M verdient durch die Plattform daran mit. Umsonst wird es wohl eher nicht sein, über die Plattform zu verkaufen. (Und wenn doch, dann fände ich das wirklich komisch. Vielleicht weiß es ja einer von euch, ich lasse mich gern eines Besseren belehren).


Also Frage Nr. 1:


Die H&M Gruppe hat derzeit 7 Labels, keines davon ist als Marke nachhaltig, sondern hat lediglich ab und an nachhaltige Produkte in der Kollektion oder nachhaltig produzierte Capsules. Vier der Marken von H&M sind aber ohne Frage der Fast-Fashion zuzuschreiben: Monki, H&M, Weekday und H&M HOME.


Warum muss ein Unternehmen wie H&M, dessen Kerngeschäft weit entfernt von Nachhaltigkeit liegt, und eher im Verdacht steht Greenwashing zu betreiben, mit einer solchen Plattform zusätzlich Geld mit kleinen echt nachhaltigen Labels verdienen?

Worauf basiert ITSAPARK?


Nach eigener Aussage auf Klarheit und Transparenz. Sie selbst haben verschiedene Kriterien der Nachhaltigkeit festgelegt, die die Produkte bei ITSAPARK ausmachen. (Siehe Bild)



Auf der Homepage werden unter jedem Kriterium mehrere (Mindest-)Anforderungen gelistet. Ob Produkte diese haben können, müssen, wie viele davon, wird leider nicht klar und transparent kommuniziert. Es gibt ein Projektteam, die Produkte nach diesen Kriterien und Anforderungen aussuchen - wie sie daraufhin überprüft werden, wird jedoch nicht beschrieben.

Und so schaffen es auch sechs Marken der H&M Gruppe in diese kuratierten 100 Brands, unter denen beispielsweise ein Geschirrtuch von H&M Home angeboten wird. Es erfüllt das Kriterium plant-based, da zu 100% aus Leinen. Wo und wie es hergestellt wurde - dazu gibt es erstmal keine Angabe. Generell wird zu Arbeitsbedingungen nichts erwähnt und nur so lässt sich vielleicht erklären, dass es die H&M Marken wie Weekday und Monky auf die Plattform geschafft haben. Nicht gerade die Kronjuwelen von H&M mit 10€ Tops, diese sind aber aus Organic Cotton. Also mischt H&M seine eigenen Labels unter die 'echten' nachhaltigen Labels.

#YEPTHATCOUNTS, so der aktuelle Slogan von ITSAPARK, um deutlich zu machen, dass auch kleine Konsum-Entscheidungen einen Unterschied machen. Die Seite trägt auch den Titel: Destination for better choices. Aber ist das tatsächlich so? Reicht es ein Organic Cotton-Shirt von einer Fast-Fashion Brand zu kaufen, die eher des Greenwashings verdächtigt wird und bei der Produktion nur minimale Standards einhält? Was ist wenn "better", einfach nicht gut genug ist um echten schnellen Wandel hervorzubringen. Wie Michael Braungart mal sagte: Less Bad is No Good.



Also Frage Nr. 2:


Verwässert H&M mit dem ITSAPARK Konzept weiter die Grenzen zwischen echten nachhaltigen Produkten und Greenwashing, nach dem Motto #YEPTHATCOUNTS ?

Eigentlich wissen wir, dass es nicht reicht wenn wir ab und zu ein nachhaltiges Teil oder Secondhand kaufen, um unser Problem der Umweltkrise zu lösen. Dazu braucht es wirkliche Transparenz und wirklichen Wandel im Konsum bei so vielen Kaufentscheidungen wie möglich.

Die suggerierte Ansicht von ITSAPARK, ein nachhaltiges Leben sei einfach und lasse sich mit Fast-Fashion kombinieren, verwirrt Kunden meiner Meinung nach mehr, als dass sie Transparenz bring. Gerade bei Nachhaltigkeit muss es klare Regeln geben und ITSAPARK scheint diese aufweichen zu wollen. Nachhaltig handeln ist nämlich nicht leicht, es kostet Zeit sich zu informieren, was man da genau kauft, vor allem, wenn man eine Plattform hat, die Nachhaltigkeit kommuniziert, aber dann auch Produkte listet, die diesen Kriterien wahrscheinlich nicht entsprechen, oder es nicht nachweisen können.


Manche Unternehmen argumentieren damit, dass sie Kund:innen gewinnen wollen, die vorher noch gar nicht über Nachhaltigkeit nachgedacht haben. Aber der Effekt ist auch, dass heute viele Kund:innen denken, ein Organic Cotton Shirt müsse für den gleichen Preis zu haben sein, wie eines aus konventioneller Baumwolle, nur weil H&M Anfang der 2000er beweisen wollte, dass Bio nicht mehr kosten soll.

Wahre Nachhaltigkeit erfordert also nicht nur echte Transparenz, sondern wirkliche Radikalität in der Umsetzung.



Also Frage Nr. 3:


Kann man guten Gewissens nachhaltig bei ITSAPARK einkaufen, wenn man weiß, dass die Plattform zu H&M gehört und deren Kerngeschäft bei Fast-Fashion liegt?


Was kann man noch von ITSAPARK erwarten?


Wenn man sich bei LinkedIn umsieht, erkennt man, dass an ITSAPARK schon seit 2018 gearbeitet wird und derzeit viele Stellen bei ITSAPARK ausgeschrieben sind. Dagegen, passiert online, wie ich finde, noch gar nicht so viel. Bald soll es in Berlin aber auch zwei ITSAPARK-Spaces geben, in denen Labels ihre Produkte vorstellen dürfen. Ist ITSAPARK am Ende nur ein Play-Hub für H&M um an Kunden zu testen was für Dienstleistungen und Produkte funktionieren und zukunftsfähig sind, um es in seinen Kernmarken selbst einzubauen und aus dem großen Umwelttrend Kapital zu schlagen? Wundern würde es mich nicht, da H&M selbst hervorgehoben hat, wie groß die Bedeutung von Nachhaltigkeit in Berlin sei, viel größer als irgendwo sonst derzeit.

Kleine (Berliner) Firmen und Labels werden wohl eher mit dem Versprechen auf Reichweite und Wachstums gelockt, dass das H&M Netzwerk verspricht. Denn man ehrlich ...



Also Frage Nr. 4:


...brauchen wir in Berlin, wirklich H&M als diejenigen, die nachhaltige Labels, Firmen und Dienstleistungen zusammenbringen?

Ich frage nur. Dieser Artikel spiegelt nur meine Gedanken zu dem Konzept wieder. Ich denke durchaus, dass die Menschen die bei ITSAPRAK arbeiten gute Intensionen haben und wirklich am Wandel arbeiten, sowie die kleinen Labels die über ITSAPARK verkaufen. Aber für mich, passt das irgendwie nicht zusammen.



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Dieser Blogpost wurde von Rebound Stuff erstellt. Rebound Stuff ist eine Plattform für alle, die Alternativen zu Neuwaren suchen. Wir informieren über Secondhandläden, ReCommerce Shops, Marktplätze, Miet-Konzepte sowie Reparatur- und Reinigungs-Dienstleister.


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Quellen:

https://www.itsapark.com/

https://www.vogue.de/mode/artikel/hm-itsapark-nachhaltige-mode-beauty-online-shop-interview