Jan verstieß gegen seine eigenen Prinzipien und das führte ihn zu den Toolbots

Aktualisiert: Feb 13

Mit Jan Gerlach, Gründer von Toolbot, durfte ich mein erstes Telefoninterview führen - weil es eben schnell gehen sollte. Ich hatte von seinem Unternehmen toolbot beta erst am Vorabend gehört, an dem Nachmittag danach hatte ich den Artikel über das Unternehmen geschrieben und heute Abend dann schon mit ihm telefoniert. Ich wollte unbedingt wissen, welche Geschichte und Vision hinter den zwei Toolbots in Berlin steckt.


Wie bist du auf die Idee für die Toolbots gekommen? Ich hatte erst vermutet, es steckt ein Baumarkt dahinter.


Nein, die waren am Anfang auch eher schwer für die Idee zu begeistern. Eigentlich bin ich studierter Industriedesigner und lernte wie man Maschinen eben designt. Auf einer Messe für Werkzeuge hatte ich dann erstmals eine Krise, weil fast alle die gleichen Produkte verkauften. Und wir als Designer halfen auch noch dabei, so viel 'Schrott' an den Mann zu bringen. Im Studium hatte ich mich mit Ecodesign beschäftigt und hatte mir ein umfangreiches Wissen dazu angeeignet. Die billigen Werkzeuge ware mir daher schon ein Dorn im Auge.

Nach dem Studium stand ich auf jeden Fall einestages in der Schlange beim Baumarkt um mir eine Stichsäge auszuleihen. 30 Euro sollte das kosten. Das Geld hatte ich gerade so noch so dabei, also wartete ich ungeduldig in der Schlange während zuhause schon Leute warteten, die mir beim Bau von etwas helfen sollten. Als ich dann an der Reihe war, erfuhr ich, dass ich auch Kaution hinterlegen sollte. Die hatte ich nicht dabei. Dann ging ich in den Baumarkt rein und kaufte eine billige Stichsäge für 15 Euro, die Hälfte von dem Mietpreis eines guten 'Meisterwerkzeuges' für einen Tag. Dieser Kauf hat gesessen, denn nach drei Verwendungen ging das billige Gerät kaputt und konnte theoretisch auf den Müll.


In der Regel verwendet man Werkzeuge im normalen Haushaltsgebrauch ja nicht oft, deswegen müssen sie nicht so viel Leistung erbringen und sind oft von minderer Qualität, da auch niemand soviel Geld investieren möchte. Handwerker Werkzeug ist da ganz anders: es wird ständig genutzt, ist robust gebaut und daher eben auch teuer, aber sehr effizient. es ist auf maximale Leistung und Dauer ausgerichtet.


Später bekam ich dann an meiner alten Uni einen Lehrauftrag, wegen meiner Expertise in ökologischem Industrie Design. Ich stellte den Studierenden eine Aufgaben, zu dem Thema 'Sharing Konzept' und zu dem Thema 'ökologische Gestaltung' von Werkzeugen. Mit zweitem bekommt man ein Produkt 40%, maximal 60% ökologischer produziert. Durch das Sharing Konzept kann man aber fast 99% Ressourcen sparen. Und ein Werkzeug ist ja kein Lifestyle Produkt, welches man haben will und dabei auf eine möglichst ökologische Gestaltung achtet. Es soll im Normalfall funktionieren und Leistung bringen. Da sind die zweckmäßigsten Materialien nicht unbedingt die ökologischten.


Und da war die Idee von den Sharing Werkzeugen dann geboren?


Ja, sozusagen. Ich begann dann mit Leuten in meinem Umfeld zu reden und diese auch dafür zu begeistern. Wir haben uns dann für Fördergelder beworben und diese auch bekommen. Wir haben sie genutzt, um einen Prototypen zu konzipieren und zu entwickeln.

Wir bauen ja keine Werkzeuge, sondern haben das System entwickelt und die App - also die Organisation um den Verleih herum. Der Werkzeugkoffer hat Sensoren und die sind automatisiert. Dann haben wir unsere Idee in einen Film verpackt und sind auf Baumärkte und Werkzeughersteller zugegangen.



Wie haben die reagiert?


Erstmal war es schwer an höhere Managementstufen heran zu kommen und die meisten Werkzeugunternehmen, auch die namhaften, haben kein riesiges Interesse Werkzeuge zu vermieten. Auch sie verdienen meist mit billigeren Werkzeugen unter anderen Namen Geld. Wenn man so über seine Idee redet und alles erklärt, kommt auch der ein oder andere auf die Idee es einfach zu kopieren und das Ganze selbst zu testen.


Aber ihr habt jetzt Partner gefunden oder?


Ja, zumindest für die Beta Phase. Also das ist gerade unser ‘Proof of Concept’, das da als toolbot beta läuft. Bosch und Hilti sind Partner als Werkzeughersteller und toom als Baumarkt. Hilti z.B. ist ja eher bekannt von größeren Maschinen und findet es tendenziell gut, jetzt auch andere Kunden mit ihren Produkten zu erreichen. Bei Bosch ist man da noch unentschlossen wie man das findet, aber man arbeitet mit uns zusammen und schaut sich das mal an. Aber das große Investment, auf das wir gehofft haben um das flächendeckend auszurollen, gab es noch nicht. Deswegen ist es jetzt wichtig, dass solange die Testphase (ca. bis Ende April) läuft, wir Zahlen erhalten um unseren Case zu belegen. Derzeit prüfen wir auch noch nach jedem Verleihvorgang selbst nach, wie genau die Sachen zurück gegeben wurden, um da einfach Erfahrungen zu sammeln und machen auch noch kleine Änderungen.


Und welches Werkzeug wird am meisten gemietet?


Wir dachten erst, sicher so etwas wie ein Akkuschrauber. Aber den scheinen die meisten doch zuhause zu haben. Die Wärmebildkamera scheint beliebt zu sein. Damit kann man z.b sehen, ob und wo Fenster undicht sind, wo Kälte hereinströmt oder wo z.B. genau die Fußbodenheizung verläuft. Sowas hat ja keiner zuhause, ist aber hilfreich wenn man z.B. in eine neue Wohnung zieht.


Jan mit der Wärmebildkamera

Welche Vision verfolgt ihr?


Ach, wenn das System und die Technik stehen reden wir über viel mehr als Werkzeuge. Alle teuren Produkte, die man nicht oft braucht, können über so einen Bot verliehen werden. Wir sehen es auch in unserer Pflicht, etwas zu bauen, was weltweit eingesetzt werden kann. Wir entwickeln ein System, um es dann als Idee zu exportieren. Es wäre nur gut wenn andere Nationen und Regionen die Phase in der man viele minderwertige Geräte, die man selten nutzt, kauft, überspringen könnten und gleich ein System hätten bei dem man qualitative Dinge nutzerfreundlich mieten kann. Ich kann mir solche Bots in jeder Nachbarschaft vorstellen, der z.B. auch einen Beamer, ein Grill oder Raclette-Gerät beinhaltet.


Gibt es solche Lösung nirgends oder hat das niemand vorher versucht?


Es gab mal ein paar Konzepte, aber die haben sich nicht lange gehalten. Die hatten aber auch keine technische Lösung. Vielleicht waren die einfach zu früh dran.


Wie lange hat es gedauert von dem Punkt, wo du im Baumarkt die billige Stichsäge gekauft hast, bis ihr den ersten Toolbot aufgestellt habt?


Fünf Jahre. Drei davon lief die Idee so neben meiner Festanstellung mit, zwei Jahre habe ich ausschließlich daran gearbeitet.



Danke an Jan für das spontane Interview.


Wenn ihr Berliner seid, teilt die Idee im Freundeskreis, geht hin und mietet euch Werkzeuge wenn ihr welche braucht, sonst ist der Toolbot womöglich ab Mai wieder weg. Wenn ihr Ideen dazu teilen wollt oder Nachrichten an Jan habt, lasst sie in den Kommentaren, ich gebe ich sie gerne an ihn weiter.

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