Moritz von Peeces im Interview - wenn das Hobby und Kleiderkreisel einen zum Unternehmer macht

Peeces ist ein junges Street and Lifestyle Second Hand ReCommerce von Moritz Gropp und Leon Jungfleisch. Sie verkaufen hauptsächlich coole Hoodies und T-shirts aus den 90ern. Beide sind erst 21 Jahre alt und wohnen zwischen Heidelberg und Mannheim, wo auch das Büro von Peeces ist.

Auf Peeces bin ich tatsächlich über Linkedin gestolpert. Leon Jungfleisch hatte Peeces´ erste Erfahrungen mit TikTok als Marketing Tool geteilt und da dachte ich, es sei mal spannend, mit denen darüber zu reden, wie sie ReCommerce und Second Hand wahrnehmen.

Im März saß ich dann in einem Zoom-Interview Moritz Gropp online gegenüber. Dass die Veröffentlichung dieses Interviews so lange dauerte, hatte interne Gründe bei Peeces, weswegen ich die Jungs noch das ein oder andere im Nachhinein habe updaten lassen.


Leon Jungfleisch und Moritz Gropp

Wie fing alles mit Peeces an?

Ich und Leon, ein Schulfreund, wir wollten eigentlich schon immer etwas machen, etwas zusammen starten. Wir hatten einfach den Drive dafür, etwas auf die Beine zu stellen. Für 6 Monate hatten wir dann auch ein Amazon Business, bei dem wir Sporthandschuhe verkauft haben. Das war aber eine kurze Sache, damals waren wir 18, hatten noch nicht mal unser Abi in der Tasche und das Ganze hatte keinen Spass gemacht. Leon und ich hatten aber damals schon privat in Second Hand Shops eingekauft. Uns haben die Sachen gefallen und das Preis/Leistungsverhältnis war gut. Nicht alles, was uns gefallen hat und das wir zu einem guten Preis bekommen haben, war aber in unserer Größe. Wir hatten es dann aber trotzdem gekauft und gemerkt, dass man bei Kleiderkreisel noch richtig Geld dafür bekommt. Ich war aber relativ schnell gelangweilt von den ganzen Fragen und der Kommunikation mit den einzelnen Kunden. Ich habe dann vorgeschlagen, dass wir das seriöser machen und eine eigene Seite aufziehen. Im Januar 2018 habe ich dann Peeces mit Leon gestartet, da hatten wir 10 Sachen auf der Seite.

Und wie ging es dann weiter?

2018 haben wir es aber locker genommen, da musste ich erst noch mein Abi machen. Ende 2018 waren wir dann im Urlaub auf Bali und haben überlegt, was wir machen. Obwohl wir Peeces auf Low Key gemacht hatten, kam etwas dabei rum. Wir hatten einen Proof of Concept und beide Lust, weiter zu machen. Seit 2019 machen wir das Ganze jetzt hauptberuflich.

Wer sind eure Zielkunden bzw. welche Kunden habt ihr vor Augen, wenn ihr Styles aussucht?

Wir sind selbst unsere Zielkunden. Wir kaufen junge Mode ein für Männer, die aber auch von Frauen gekauft wird. Ja, es sind schon irgendwie unisex Styles. Wir beraten unsere Kunden zu coolen Styles, wir verkaufen nicht nur Sachen. Aber für Frauen speziell kaufen wir nichts ein, da kennen wir uns nicht so aus.


Wo bekommt ihr eure Styles her?

Wir haben viele verschiedene Quellen. Jetzt mehr online, aber auch noch einen großen Teil aus Läden. Wir haben uns aber auch Kontakte in die USA und andere Länder aufgebaut, die für uns suchen und dann größere Pakete versenden. Somit halten wir das Sortiment frisch und anders.

Sortiert ihr die Styles streng aus, wenn Sachen Mängel oder Flecken haben?

Nein. Wir beschreiben die Sachen so genau, wie wir können. Auch bei den Größen ist das eine Herausforderung. Da steht auf einem Style S, fällt aber aus, wie bei uns eine L. Wir geben uns viel Mühe, das richtig zu beschreiben (Bsp: Mängel: Blasse Flecken vorne, kleines Loch im Rücken). Bevor wir versenden, checken wir nochmal jedes Teil. Wenn wir etwas entdecken, was nicht angegeben war, schreiben wir dem Kunden eine Mail und bieten ihm den Rücktritt vom Kauf oder einen Nachlass an. Und unsere Kunden sind echt nett.

Habt ihr das Gefühl, es gibt gerade einen Hype um die Sachen?

Wir haben das Gefühl, Second Hand ist immer ein Thema, aber derzeit ist es schon so, dass die Styles der 80er und 90er auch von der Fast Fashion aufgegriffen werden und viele Musiker ähnliche Sachen tragen.

Wie groß ist Peeces derzeit?

Wir haben seit 2020 ein eigenes Büro mit 135 qm mit Lager. Seit 2019 haben wir auch unsere erste Angestellte. Mittlerweile sind es 4-5 und wir suchen noch mehr. Unsere Verkaufszahlen haben stark zugenommen. Wir sind jetzt monatlich im unteren vierstelligen Bereich an Bestellungen. Wir senden zwar international, fokussieren uns aber auf Deutschland.

Was ist euer Drive? Seht ihr eine Verantwortung in Sachen Nachhaltigkeit?

Als wir es gegründet haben nicht wirklich, aber nun schon, wo wir es viel ernster nehmen. Wir wollen, dass unsere Kunden keinen Unterschied zwischen Neuware und Second Hand sehen, denn de facto gibt es keinen. Neulich wurden wir an einer Sonderschule zu der Themenwoche “Nachhaltigkeit” eingeladen.. Wir haben uns mit den Kindern unterhalten und die erste Reaktion ging in die Richtung, wie wir sie schon aus der Vergangenheit kannten: Second Hand ist für Arme. Wir haben ihnen erklärt, dass Second Hand weder uncool, noch für Arme ist. Für uns wäre es sogar cooler als Neuwaren. Ich sehe da schon auch eine Aufgabe darin, diese Message zu verbreiten, mir und Leon glauben Kinder das eher, als der Lehrerin, die ihnen das vermitteln will.

Zitat – hervorgehoben: Ich persönlich finde Second Hand noch viel cooler als Neuware. Neuware ist gar nichts für mich.

Wo soll es mit Peeces hingehen?

Asos für Second Hand, würde ich im Moment sagen. Aber wir lassen uns, wie auch bisher, leiten. Wir wollen generell Second Hand Kleidung stärker vertreten. Deutschland hat noch sehr viel Potential, wir müssen aber noch sehr viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten, damit Second Hand von der Masse anders gesehen wird, nicht wie wir das in der Schule, bei unserem Besuch, gesehen haben.




Vielen Dank Moritz Gropp für dieses erste Zoom Interview, dass statt fand, als wir alle noch nicht wussten, wie Corona das Jahr dominieren würde.

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