Mehr als nur ein guter Vorsatz für 2020: Meine Motivation hinter dem Projekt

Aktualisiert: Okt 27

Wieso ich erst Vegetarier wurde, dann zeitweise Veganer und nun ein Jahr nichts Neues kaufen will.


" Ich versuch mir Dinge immer möglichst einfach zu machen. Oder wie ein Freund meinte: ich nehme eine Abkürzung"


Erst kein Fleisch mehr


Als ich vor gut 19 Jahren aufhörte Fleisch zu essen, war es leicht. Ich hatte Fleisch nie sonderlich gemocht. Mit 18 machte ich ein Austauschjahr in USA und fand den Fleischkonsum einfach nicht steuerbar für mich. Es war zu schwer, jedem zu erklären was genau ich esse und was nicht: Pute ja, aber nicht am Knochen und Haut darf auch nicht. Wurst nein, Burger nein, Rind nein, Schwein nein, Fisch ja, Huhn in Nuggetform obwohl sie keine Haut und Knochen hat auch nein! Kurzum entschloss ich mich es war einfacher für mich, nicht jedes Mal zu Fragen woher das Fleisch kommt, es mir servieren zu lassen und dann auf meinem Teller ein Schlachtfeld zu hinterlassen auf der Suche nach einem Stück ohne Sehnen.

Kein Fleisch mehr zu essen hat mein Leben leichter gemacht. Und die Amerikaner hatten schuld. Ich war in fünf Minuten Vegetarier (eher Pescetarier, Fisch esse ich bis heute ab und zu). Seit fast zwei Jahrzehnten muss ich mir keine Gedanken mehr machen, was für Fleisch ich da esse, wie das Tier gelebt hat, ob es gelitten hat, ob ich Antibiotika oder Stresshormone da mitesse oder ähnliches.

"Kein Fleisch mehr zu essen hat mein Leben so viel einfacher gemacht. Ich hoffe den gleichen Effekt zu erzielen wenn ich keine neue Kleidung mehr kaufe."

Dann keine Milchprodukte mehr


Als das Fleisch weg war, wurde ich zum Käse-Junkie. 2014 zog ich nach Dänemark. Dort war es schon schwer kein Fleisch zu essen, besonders nach drei Jahren Berlin. Die vegetarischen Optionen in Restaurants waren unbefriedigend und Essen gehen im allgemeinen einfach zu teuer. Ich lernte endlich kochen. In der Kantine dagegen aß ich jeden Tag Unmengen an Käse und Brot. Pünktlich zur Weihnachtszeit - Dänen lieben Weihnachten - gab es in unserer Abteilung dann eine “Cake Competition”. Ich hatte einige Wochen vorher gerade wieder mit dem Lauftraining begonnen und fand es nicht ok, jeden Tag Kuchen und Torte essen zu müssen. Sowieso fand ich es kompliziert zu erklären, wieso ich einen Kuchen essen würde und den anderen nicht. Wer Dänen etwas kennt, der weiß, sie mögen es nicht sonderlich, wenn einer die Gruppendynamik zerstört indem er immer eine extra Behandlung braucht. Diese Grenze hatte ich aber schon ausgereizt mit meiner Nespresso Maschine eben meinem Schreibtisch. (Der Kaffee, den es für alle kostenlos gab, war absolut keine Option! Lieber hätte ich auf Kaffee komplett verzichtet als den zu trinken!) Um das Kuchendilemma nicht jeden Tag zum Thema zu machen zu müssen, wählte ich wieder den einfachen Weg raus und erzählte allen, dass ich jeden Dezember leider vegan lebte und nicht teilnehmen könnte. Dies sparte mir viele Kalorien, Erklärungen und vor allem Entscheidungen. In der Kantine waren nun auch auch noch Brot und Käse tabu. Innerhalb eines Monats hatte ich so viele Alternativen zu Käse und Milch kennen und lieben gelernt, dass ich bis heute weder Käse noch Milch in meiner Wohnung habe. Ich bin sehr dankbar, dass sich mein Horizont erweitert hat. Heute bevorzuge ich milch- und eifreie Produkte.

"Die Zeit als kompletter Veganer hat mir die Augen geöffnet, Alternativen zu suchen und nicht gleich etwas zu essen oder kaufen, weil es bequem ist. Ich hoffe, wenn ich ein Jahr auf Neuwaren verzichte, zu lernen und herauszufinden wo ich gute Sachen bekomme, an denen ich noch Freude habe, ohne dass sie neu sein müssen."


Und jetzt nichts mehr Neues


Ich versuche schon immer gute Kaufentscheidungen zu treffen. Ich bin eher sparsam veranlagt, was nicht heißt, dass ich Geld spare, nur eben, dass ich Dinge kaufe die ihren Wert behalten und eher dazu neige, Dinge anzusammeln. Mir fällt es schwer, Sachen wegzuwerfen. Ich hatte zu einem Zeitpunkt in meinem Leben über 300 Paar Schuhe und habe Monate gebraucht, sie fast alle wieder zu verkaufen. Ich bin seit über 15 Jahren bei Ebay aktiv.

Aber die letzten Jahre ist es für mich immer schwieriger geworden, gute Kaufentscheidungen zu treffen. Oft habe ich kein Shopping High, sondern ein Shopping Low gehabt, obwohl ich die Sachen, die ich gekauft habe, brauchte und richtig gerne hatte. Ich hatte das Gefühl, alles landet eh irgendwann auf dem Müll. Und nur weil ich es gekauft habe, wurde es überhaupt produziert und wahrscheinlich wurden die, die es produziert haben nicht einmal richtig dafür bezahlt. Trotzdem mag ich schöne Dinge und vor allem Mode. Seit ich 18 Jahre alt bin habe ich in der Modeindustrie gearbeitet. Meine Schwester war beruflich viel in Textilfabriken in Bangladesch, Pakistan und Kambodscha unterwegs und hat mir viel über die dortigen Arbeitsbedingungen berichtet. Sie hat miterlebt, wie sich die Politik und die Privatwirtschaft oft nur oberflächlich für bessere Bedingungen einsetzt und die tatsächliche Macht Dinge zu ändern stärker beim Konsumenten liegt als wir denken. Sie war auch an der Einsturzstelle wo ehemals die Textilfabrik 'Rana Plaza' stand, bei deren Zusammensturz über 1100 Menschen starben. Obwohl die Risse einen früher von der Polizei zur Schließung des Gebäudes führten, wurden über 3000 Textilarbeiterinnen gezwungen am Tag des Einsturzes die Arbeit aufzunehmen, um Liefertermine zu schaffen. Seit 2005 hat sich der Ansatz von Cradle to Cradle (Blogpost dazu folgt) immer mehr in meinen Kopf verankert. Seitdem hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich gemischte Materialien gekauft habe. Wegen Tierquälerei und den Metallen und Chemikalien bei der Ledergärbung ist sogar die Liebe zu meinen Sneakern und Pumps weniger geworden. Bei jedem neuen Kauf (und ich wiederhole hier, dass ich eigentlich ein Konsumkind bin) verlies mich das schlechte Gewissen erst, nachdem ich mir sicher war, dass ich die Kleidung oder den Gegenstand wirklich mag und viel nutzen werde. Fehlkäufe wurden schnell an Freunde und Verwandte weitergegeben oder bei Ebay verkauft. Gleiches gilt seit dem für Wolle. Bei Baumwolle muss ich immerzu an die Unmengen an Wasser, die der Anbau braucht, denken. Besonders wenn ich wie letzten Monat in Regionen bin, die aus Wasserknappheit nicht einmal Duschen im Schwimmbad haben. Als ich dann auch erfahren habe, das Viskose noch mehr Wasser bei der Herstellung verbraucht, habe ich mich zunehmend schlechter gefühlt wenn ich meine Sommerkleider trug. Es ist richtig kompliziert geworden und ich verstieß permanent gegen meine eigenen Regeln.

"Ich wollte einen einfachen Weg da heraus finden."

Schon seit Jahren kaufte ich gerne Second Hand, aber Second Hand Läden haben mich schon immer abgeschreckt. Der Geruch, der fehlende Überblick, das Größenchaos - solche Läden waren nichts für mich. Im Sommer 2018 lud ich mir die Zalando Wardrobe App herunter und fand das ziemlich gut, dass nun Zalando Kleidung wieder zurück kauft. 2019 habe ich dann für die Momox GmbH (größtes Recommerce Unternehmen Europas) gearbeitet. Seitdem hat mich das Konzept des Recommerce nicht mehr losgelassen. Es eröffnete sich mir eine völlig neue Welt über Dinge nachzudenken. Auf einmal sah ich da dieses komplett neue Marktsegment, dass noch so gar nicht erwacht ist. Und mir ist klar geworden, wie wenig Menschen Akteure aus diesem Bereich kennen. Auf diesem Blog will ich einige davon nach und nach vorstellen.


Weil ich, wie ihr jetzt wisst, es 'einfach' mag, fasste ich im November 2019 den Entschluss: 2020 ein Jahr lang ohne Neuwaren zu kaufen zu leben und dabei den Gebrauchtwarenmarkt Deutschlands weiter zu erkunden. Ich will mich ein Jahr nicht schlecht fühlen wenn ich etwas kaufe, das wegen mir produziert wurde. Ich bin sehr gespannt, ob es schwer oder ganz einfach wird, ob ich auf etwas verzichten muss und wieviel Angebot es eigentlich schon gibt.


Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, habt ihr vielleicht Lust mich dieses Jahr zu begleiten und mir vielleicht auch mit ein paar guten Tipps und Tricks zu helfen.


Ich freue mich auf jeden Fall, dass es jetzt bald losgeht.





Quellen: Wikipedia

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