Minimalismus als Lebensstil – Nur Schlaf, Nahrung und eine Bleibe

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Ich könnte gar nicht über Thema Konsum und Alternativen zu Neuwaren schreiben, ohne auch den Nicht-Konsum, also den Minimalismus zu thematisieren. Dabei war es gar nicht leicht, eine klare Definition von dem 'Minimalismus' zu finden. Ich habe gleich mehrere Ansätze gefunden, was Minimalismus für individuelle Personen bedeuten kann. Es ist eher eine Ideologie des Konsums als ein klar definierter, zählbarer Sachverhalt. Trotzdem wage ich mich an eine Definition.


Wortbedeutung Minimalismus


Allgemein bedeutet der Begriff Minimalismus, die Haltung, sich auf möglichst wenig zu beschränken. Diese Definition behält der Begriff für alle Richtungen des Minimalismus. Es geht immer um die Grundtendenz zur Reduktion bzw. der Vereinfachung des Komplexen.


Richtungen des Minimalismus


Minimalismus bezeichnet neben einem Formenrepertoire in der bildenden Kunst und im Design, eine Stilrichtung in der Architektur, ein Stil in der Musik (Minimal Music), eine Theorie der Linguistik und vor allem einen Lebensstil in der heutigen Zeit. In diesem Artikel geht es mir nur um den Minimalismus im Hinblick auf den Lebensstil.


Wie definiert sich Minimalismus als Lebensstil?


Minimalismus, im Englischen auch Voluntary Simplicity oder Downshifting genannt, bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Konsumkritische Menschen versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen. Dabei gibt es mehrere undefinierte Stufen des Minimalismus: Einige zählen nur zum Minimalisten, wer weniger als 100 Dinge hat, andere verzichten nur auf manche.

Leute, die im extremen Minimalismus leben, bezeichnet man teilweise auch als Aussteiger. Das Spektrum reicht von "materieller Totalverweigerer" bis "kritischer Konsumbürger".

Jedoch haben die meisten Minimalisten eines gemeinsam: Sie leben ein selbstbestimmtes Leben und suchen ihr Glück nicht in materiellen Dingen.


Kern des Minimalismus?


Konsum, Besitz und Beziehungen werden auf Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit geprüft bevor ihnen nachgegangen wird. Ein Übermaß an Besitz wird als hinderlich und belastend betrachtet. Der Lebensstil ist von der grundlegenden Haltung geprägt, weniger Dinge zu besitzen, um sich und die Umwelt mit deren Anschaffung (und Bezahlung), Pflege und Entsorgung nicht unnötig zu belasten, finanziell sowie zeitlich. Eine „sinnvolle“ Nutzung der eigenen Zeit genießt dabei eine hohe Wertschätzung. Minimalisten erscheint es unvernünftig, Lebenszeit gegen Geld einzutauschen, um Dinge zu besitzen, die man eigentlich gar nicht benötigt. Oder gar nur, um Leute zu beeindrucken, die einem nicht wichtig sind, oder auch Arbeitszeit aufzuwenden, um mit deren Ertrag mehr konsumieren zu können. Minimalisten kritisieren eine Übergewichtung von Geld und Besitz sowie die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit, die oft mit einer Reizüberflutung einhergehe.


Seit wann gibt es Minimalismus?


Schon die alten Griechen waren der Meinung, dass Überfluss schadet. Um genau zu sein, ist Minimalismus in allen Weltreligionen im Ansatz vertreten. Verschwendung, Überfluss und Ablenkung vom Wesentlichen wurde schon in mancher religiöser Schrift, vom Buddhismus bis zum Christentum, als Sünde bezeichnet. Daher ist es wenig verwunderlich, dass in enorm von Überfluss geprägten Gesellschaften auch verstärkt Minimalisten aufkommen.


Wer sind bekannte Minimalisten?


Keine Angst, ich will euch jetzt keine Influencer mit vielen Followern vorstellen, sondern namenhafte Menschen, deren Minimalismus eher unbekannt ist: Friedrich Nietzsche und Scott Nearing zum Beispiel. Wenn man will, kann man aber auch ganze Gesellschaften als Minimalisten einstufen, so wie die in Amerika ansäßigen Amischen oder die Quäker. Selbst Marc Zuckerberg wird nachgesagt, Minimalist zu sein.



Wann darf man sich Minimalist nennen?


Menschen, die begonnen haben, ein einfacheres, minimalistischeres Leben zu führen, berichteten von einem starken Bedürfnis, ihr bisheriges Leben neu zu ordnen, um eine größere innere Erfüllung zu erlangen. Die Motivation kommt meist aus einer innerer Unzufriedenheit oder einem Gefühl der ständigen Überlastung oder hohen Erwartungen von außen. Eine Neubewertung materieller und immaterieller Werte führt dann meist zu einer „Entrümpelung“ des eigenen Lebensumfeldes und dessen einfachere Organisation. Nach dieser Entrümplung lebt man dann minimalistischer. Ob man sich selbst Minimalist nennt, ist jedem selbst überlassen.


Viele Minimalisten verspüren eine starke Konzentration auf eine unkomplizierte, naturnahe, auf sich und die Menschen im nächsten Umfeld bezogene Lebensweise, bei der Eigenleistungen im Sinne einer Selbstversorgung gegenüber Fremdleistungen deutlich in den Vordergrund rücken. Werte, die Minimalisten schätzen sind daher gesunde Ernährung und selbstverrichtetes Handwerk, Abfallvermeidung, Energieeinsparung und Reduzierung des eigenen ökologischen Fußabdrucks. Und ACHTUNG - Minimalisten kaufen gerne Second Hand, gehen achtsam mit ihren Dingen um, reparieren und tauschen recht viel.


Bereiche von Minimalismus im Lebensstil


Wenn man von Minimalismus redet, wird meistens der oben beschriebene Konsum Minimalismus gemeint. Aber ich möchte hier klarstellen, dass das nicht der einzig mögliche Minimalismus ist. Der Überfluss erreicht uns in der modernen Welt nämlich nicht nur im Supermarkt, er kommt auf allen Wegen in unsere Wahrnehmung. So ist es auch vollkommen in Ordnung, sich auf dem Weg in ein minimalistischeres Leben nur auf einen, den am meisten druckbesetzten Bereich fokussiert.

  • Geistiger Minimalismus steht für den Versuch, auch unsere Gedanken einfach und strukturiert zu halten und uns auf Wesentliches zu konzentrieren. Bereichert es unser Leben wirklich sich darum Gedanken zu machen ob Nachbar XY das Auto nun least oder es sich einfach so leisten konnte? Trotzdem schweifen unsere Gedanken immer wieder in solche Richtungen. Geistiger Minimalismus ist das Training, seine eigenen Gedanken auf das Wesentliche zu fokussieren.

  • Social-Media-Minimalismus. Auch wenn für mein Projekt Social-Media-Kanäle gerade wichtig sind, führt kein Weg daran vorbei zuzugeben, dass sie häufig ungemeine Zeitfresser sind. Die Tik Tok Nutzer sind sogar soweit, dass sich selbst drüber lustig machen, wie viel Zeit sie auf der Plattform verschwenden. Ja, Youtube und Netflix haben sogar als Konkurrent Nr.1 'Schlaf' angegeben. Ja, Schlaf! Sie greifen den neben Essen und Trinken essenziellsten Bestandteil unseres Lebens mit Konsum im Überfluss an. Es ist hier wichtig, für sich selbst das richtige Maß zu finden.

  • Ernährungs-Minimalismus propagiert keine einseitige Ernährung wie man vielleicht vermuten könnte. Es bedeutet, sich nicht von dem Überangebot an Produkten und Lebensmitteln im Supermarkt erschlagen zu lassen und sich sondern frischen, regionalen, unverarbeiteten Lebensmitteln zuzuwenden. Einfache und leckere Gerichte werden aus saisonalen Zutaten mit wenig Verpackungsabfall, langen Transportwegen oder zahlreichen aufgebrochenen Packungen, die dann im Müll landen, zubereitet.

  • Ressourcen-Minimalismus bedeutet, nicht aus notwendiger Sparsamkeit, sondern aus Achtsamkeit in Bezug auf Wasser, Strom und Heizung nur das zu verwenden, was man braucht. Zu dieser Kategorie zählt auch die Art zu Reisen: Wenn man mit Rad oder Bahn fährt, ist es ist eine ganz andere Art des Reisens, als zu fliegen.


Aber all diese Definitionen, sagen mir nichts darüber, wie es ist Minimalist zu sein (denn ich bin Keiner) und wie es ist, minimalistisch zu Leben. Deswegen habe ich im Anschluss zu diesem Artikel noch ein Interview mit einem 'Minimalisten' geführt, der genau diesen Aussteig aus dem Hamsterrad beschreibt. Das Interview mit Max findet ihr hier.


Quelle: https://www.maxgreen.info/tiny-house-living/


Quelle:

achtsame-lebenskunst.de/2018/07/22/was-ist-minimalismus/

feineseele.de/minimalismus/

de.wikipedia.org/wiki/Einfaches_Leben

spiegel.de/panorama/gesellschaft/minimalisten-haste-nix-biste-was-a-773718.html

budenkultur.de/minimalismus