StockX: die selbsternannte “Börse der Dinge”

Aktualisiert: Juni 6

StockX ist weniger eine Second-Hand Plattform, als ein Sekundär-Markt für Lifestyle Produkte die sonst überall ausverkauft sind. Wie es StockX schaffte, den undurchsichtigen Markt für Sneakerheads transparent und übersichtlich zu machen.


Nun ja, wie steigt man bei Stock X am besten ein? Vielleicht sogar mit den eigenen Worten des Unternehmens:

StockX is the stock Market of Things.

Zu deutsch in etwa: Die Börse der Dinge. Und das ist vielmehr eine Vision als die momentane Realität. Bei StockX kann man nämlich vor allem Sneaker kaufen und verkaufen. Damit sind sie vor fünf Jahren gestartet. Heute gibt es dort auch ‘Collectibles’ wie Pokemonkarten, Streetwear, Designertaschen und -uhren. Alles im Prinzip Lifestyleprodukte, die einen Sammlerwert haben bzw. nicht mehr produziert werden. Alles bei StockX wird auf Echtheit überprüft, bevor es von Verkäufer zu Käufer geht. Wichtig zu wissen ist, dass das meiste, was bei StockX verkauft wird, sogenannter Deadstock ist.


Was ist Deadstock? Als Deadstock werden Sneaker (und mittlerweile auch andere Produkte) bezeichnet, die ungetragen und in der originalen Verpackung mit allem Zubehör sind. Normalerweise heißt es auch, dass die Sneaker zusätzlich noch überall ausverkauft sind. Ursprünglich kommt der Name aus den 70ern, als junge Leute in Läden gegangen sind und die Besitzer nach Einzelpaaren aus älteren Kollektionen gefragt haben, die unverkauft im Lager stehen. Also ging es um solche Ware, die regelrecht ‘dead stock’ war (zu Deutsch: toter Lagerbestand). Es ging den jungen Leuten darum, Einzelstücke zu tragen, die sonst in ihrer Umgebung keiner mehr anhatte. Mit der Digitalisierung nach der Jahrtausendwende landeten solche Produkte auf den Online-Marktplätzen, sowohl von Händlern direkt, als auch von Privatpersonen, die die sogenannte ‘dead stock’-Ware aufgehoben hatten, um an Wert weiter zu steigen. Der Sekundärmarkt ist die einzige Möglichkeit, solche Styles zu erhalten.


Was ist der Sekundärmarkt? Eigentlich kommt der Begriff aus dem Finanzwesen. Dort bezeichnet man den Erwerb oder das Weiterveräußern bereits in Umlauf befindlicher Finanzprodukte als Handelsobjekte von Marktteilnehmer als Sekundärmarkt. Aber de Begriff "Sekundärmarkt" wird mittlerweile auch verwendet, um den Markt für Vermögenswerte UND eben auch für gebrauchte Waren zu beschreiben.


Wie funktioniert StockX genau?


Auf StockX treffen sich, wie auf jedem Marktplatz, Käufer und Verkäufer. Der Unterschied zu Ebay und Co ist, dass das System nicht auf Einzelstücke ausgelegt ist, sondern auf identische Produkttypen, wie an der Börse. Da ist jede Aktie einer Art austauschbar. Der Käufer und Verkäufer kommen bei StockXx zusammen, um genau diese eine Ware zu handeln. Wie an der Börse sagt der Käufer, was er dafür zu zahlen bereit ist, und der Verkäufer, was er dafür erhalten will. Beide hinterlegen die Bankdaten (Kreditkarte oder Paypal) und, wenn ein Match (Deal) besteht, werden Käufer und Verkäufer verbunden und der Deal wird über die Plattform abgewickelt. Käufer und Verkäufer treten nicht miteinander in Kontakt. Die Ware (meistens Sneaker) wird dann in eins der X Prüfzentren geschickt und die Echtheit des Produkts wird verifiziert. Ist es ein Fake oder nicht in neuem (bzw. bei manchen Produktgruppen neuwertigem) Zustand, platzt der Deal. Bei einem Fake wird der Account des Verkäufers gesperrt, ansonsten geht das Produkt einfach zum Verkäufer zurück. Der Käufer wird falls möglich mit einem neuen Verkäufer gematcht. StockX bekommt 3% Zahlungsgebühren und ca. 14% Transaktionsgebühren bei jedem Deal. Der Käufer sieht tatsächlich nicht einmal ein echtes Bild von dem Produkt, das er erwirbt, sondern nur ein Modellbild, das repräsentativ für dieses Modell steht. Wieso das funktioniert? StockX handelt - wie oben beschrieben - vor allem mit Deadstock.

Das war zu kompliziert? Vielleicht hier ein konkretes Beispiel, das alle nachvollziehen können. Eine Marke bringt ein Schuhmodell in einer Farbe heraus, lasst es uns -Rebound- nennen. Die Marke stellt nur 1000 Paar von dem -Rebound- her, aber 2000 Leute wollen es gern haben. Der -Rebound- ist deshalb gleich am ersten Tag ausverkauft. Von den 1000 Leuten, die die Schuhe gekauft haben, wollten ihn vielleicht 500 Leute haben, um ihn anzuziehen, die anderen 500 haben darauf spekuliert, dass sie das Paar am Sekundärmarkt über dem Ladenpreis an die 1000 anderen Leute weiterverkaufen, die ihn nicht bekommen haben,. Auf StockX kommen jetzt diese 500 Schuhe wieder zusammen und dafür gibt es nur ein einziges Bild vom -Rebound--Modell und nur eine Produktseite. Hinter diesem einen Bild werden Angebote und Anfragen für bestimmte Größen gemacht und abgehandelt, ohne dass Kunden Fotos und Nachrichten hin und herschicken.



Und das Beste an StockX: Man sieht die Wertentwicklung seines Modells in einer Grafik. Und noch besser, wenn man mehrere Sneaker oder Collectibals hat, kann man den WERT seiner Kollektion wie ein Aktienportpolio an der Börse beobachten. Morgens nach dem Aufstehen sagen jetzt die Sneakerhead, die viele hunderte Paare an Deadstock haben: Der Wert meines “Sneaker Portfolios ist heute Nacht um drei Prozentpunkte gestiegen”. Hier ein paar Bilder dazu.





Aber da hört es nicht auf. StockX will mehr. Sie wollen die Linie zwischen dem primären und sekundären Markt bei seltenen Produkten am liebsten ganz verschwinden lassen. Im Oktober 2019 stellten sie zusammen mit adidas eine Kooperation auf und launchten drei Modelle als ‘Live IPO’.


Was ist eine IPO? IPO ist die englischen Abkürzung für ‘Initial Public Offering’. Auch dieser Begriff kommt aus dem Finanzwesen und beschreibt das erstmalige Anbieten von Aktien durch ein Unternehmen für die Öffentlichkeit. Hierzulande sagt man dazu auch „Neuemission“. Ein Unternehmen verkauft „sich“ damit an der Börse.

Hier seht ihr konkret, wie das bei StockX aussah? Adidas stellte 9999 Paare vom Modell Campus in drei Sonderdesigns her (3333 von jedem Style). Diese wurden direkt auf StockX online gestellt, ohne je einen Ladenpreis dafür entschieden zu haben. Ein paar Tage konnten Interessenten Gebote für den Schuh in ihrer Größe abgeben, die aber verbindlich waren. Aus diesen Angeboten wurde dann der Preis kalkuliert, der für die meisten gepasst hat, um alle 9999 Paar zu verkaufen. Die 9999 Leute, die über diesen Preis geboten hatten, haben ihn für den günstigeren Preis bekommen, während die darunter lagen, leer ausgingen.


Und seit wann gibt es StockX?


Josh Luber war weder ein Sneakerhead, noch hatte er irgendwas mit dem Kauf oder Verkauf von Sneakern zu tun. Er arbeitete in drei Tech-Start-Ups, bevor er als Berater bei IBM 2010 anfing. Als er dann doch einen Schuh bei E-Bay ersteigern wollte, sah er sich die völlig wahllos gewählten Preise für identische Sneaker auf Ebay an. Er dachte sich, das System der Börse könnte da helfen, dass man nicht 100 verschiedene Angebote durchkämpfen muss und sich dann womöglich noch mit einem komischen Kerl auf der Straße treffen muss, obwohl der dann doch nur ein Fake dabei hat. Er dachte: jedes Modell musste doch nur einen wahren Marktwert haben.



Josh Luber (Quelle: Bild.de)

2012 startete Luber dann eine Seite die ‘Campless’ hieß. Die Seite war ein Preisguide mit Diagrammen für Sneakerheads, die den Wertverlauf wie am Aktienmarkt zeigen (und dies tun sie bis heute noch bei StockX). Dabei zog er Daten von Ebay für laufende und abgeschlossene Auktionen heran. Sneakerhead strömten auf seine Seite und fragten, ob sie helfen könnten, mehr Daten in die Campless-Seite einzuspeisen. Schnell waren es 17 Freiwillige, die Daten für das Vergleichsportal sammelten. Das führte dazu, dass Verkäufer ihre Schuhe nicht mehr zu billig oder zu teuer verkauften. Zum ersten Mal wussten Sneakersammler den Wert ihrer ganzen Kollektion, ohne einen Schuh einzustellen zu müssen, und konnten die Wertveränderung der Kollektion wie bei einem Aktienportfolio beobachten.

Zeitgleich baute Milliardär Dan Gilbert mit einem kleinen Team einen Stock-Markt für Sneaker auf. Er selbst kaufte, verkaufte und sammelte Sneaker und war ebenfalls von Ebay sehr frustriert. Er stellte von Anfang an ein Team ein, das im April 2015 auf Campless und Luber stieß. Die beiden trafen sich, woraus resultierte, dass Luber kurze Zeit später bei IBM kündigte. Gilbert investiert in Campless und die beiden wurden Co-Founder. Die Plattform wurde dann im Januar 2016 unter dem Namen StockX mit der Möglichkeit des Kaufs und Verkaufs gelauncht .

Luber sagte in einem Interview mit CNBC: Es war reiner Zufall, dass noch jemand ausser mir diese Idee hatte und dass es dann jemand war, der mir so viel Geld dafür bereitstellen konnte.

Das Schwerste war aber wohl, die Sneakerprüfer auszubilden. StockX kaufte dafür viele Fälschungen und echte Schuhe der Marken, um die Prüfer auszubilden. Auf jedes kleine Detail müssen sie achten. Die Ausbildung dauert 90 Tage. Bis heute gibt es verschiedene Prüfer, die sich auf verschiedene Marken spezialisiert haben. Es wären sonst zu viel, alles zu behalten und alle Fälschungen zu erkennen.


Und wie groß ist StockX ?


Nun ja, sie haben Unicorn Status erlangt. Genauso wie Vinted (Link) wird das Unternehmen mit 1 Milliarde $ bewertet. Das teuerstes Produkt, dass über StockX den Besitzer wechselte: Ein Louis Vuitton x Supreme Koffer für 70.000$. 25% des Geschäfts werden derzeit in Europa gemacht. August 2019 öffnete StockX ein Verifizierungscenter in Eindhoven Holland.



Investitionen von Außen: 160.000.000 (nicht nur von Aktionären, sondern von Leuten wie

Eminem und Marc Walberg.)

Aktive Märkte: in über 200 Ländern. Hier eine Liste mit genauer Aufzählung

Kunden: Ca 20.000 Verkäufe werden täglich gemacht.


25% aller Angebote bei StockX sind unter Ladenpreis.


Quellen:

www.cnbc.com

StockX.com

bild.de

30 Ansichten