Was Wodka mit Kleidung zu tun hat und wie man Wäsche richtig wäscht


Das Wäsche Waschen gehört zu den Themen, die im Allgemeinen der Kategorie „Hausputz“ zugeordnet werden und somit zu dem eher unbeliebteren – wir reden nicht in einem Small Talk darüber – Gesprächsstoff.

Während das Kochen eine Art Renaissance hinter sich hat und mittlerweile zu einer guten Small Talk Runde dazugehört, ist das Waschen noch eher im Mittelalter verankert.

Zugegeben, statt vielen verschiedenen Gewürzen wird nur eine Sorte Pulver gebraucht und dieses sollte auch lieber nicht abgeschmeckt werden. Aber lediglich die Waschmaschine vollstopfen zwischen heller und dunkler Wäsche zu unterscheiden und eventuell noch die geeignete Gradzahl einstellen? Mehr ist das doch nicht, oder? Wie ein Koch, eine Köchin sich mit dem idealen Würzen geliebter Speisen auskennt, so kenne ich mich, als Modedesignerin, mit dem richtigen Umgang mit zu waschenden

Materialien aus. Also hier meine kleine Anleitung, damit der neue Second Hand Pullover auch länger als eine Saison hält.



1. Weiß- und Buntwäsche richtig waschen


JA Mama hat immer gesagt, es sei besser Weiß- und Buntwäsche zu trennen. Und JA sie

hat auch recht. Buntwäsche und Weißwäsche sollte möglichst getrennt gewaschen werden.

Schwarz und bunt ist schon ok zusammen, aber die grauen Schlieren, die auf weißen Shirts

entstehen sind einfach nervig wieder rauszubekommen. Doch auch das ist möglich mit Weißungstücher o.ä. - kriegt man überall, in jeder Drogerie.



2. der Spezialhaufen


Sobald das Kleidungsstück aus Seide, Schurwolle, Kaschmir oder Mohair besteht, bzw. auch im Mischgewebe* enthalten ist, solltest du es auf einen Spezial-Wäschehaufen legen. Hierbei ist es nicht so wichtig, Weiß- und Buntwäsche zu trennen, da der Spezialhaufen eh kalt gewaschen wird und dadurch nicht abfärbt.

*Mischgewebe = z.B. 70% Polyester 30% Mohair


3. 30°c, 40°c, 60°, kalt oder gar nicht?


Es reicht, wenn Weiß- und Buntwäsche auf 30°c gewaschen wird. Selten rutschen wir noch auf dem Rasen herum und haben Grasflecken in der Kleidung. Unsere Kleidung ist nur selten

wirklich dreckig. Und wenn doch, dann sind es meistens Rotwein, Kaffee oder Tintenflecken.

In der Drogerie gibt es für die jeweilige verkippte Flüssigkeit ein Gegenmittel, mit dem der

Fleck rauszubekommen ist oder man versucht es mit Kernseife – funktioniert nach kurzer Einwirkzeit in heißem Wasser oft hervorragend!

Ab und zu Unterwäsche und Bettbezüge bei 60°c waschen ist empfehlenswert – heißt aber

nicht, dass jedes Mal auf dieser Gradzahl gewaschen werden muss. Es wird einiges an Energie gespart, wenn bei niedrigeren Temperaturen gewaschen wird und – oh Wunder –

die Kleidung ist trotzdem sauber, auch bei 30°c.


Der Spezialhaufen hingegen wird bei Woll-und Feinwäsche einfach kalt gewaschen, das reicht auch vollkommen aus. Wenn der Spezialhaufen sehr klein ist, können die 1-2 Kleidungsstücke auch einfach bei Handgewaschen werden. Ist wirklich nicht so ein Stress wie man denkt – eher so wie Abwaschen nur mit Textilien.

Reiß- und Klettverschlüsse am besten schließen, damit sich nichts verhaken kann und Shirts

mit Druck umkrempeln, um das bedruckte Kleidungsstück vor Abrieb zu schützen.


4. Jeans und Wollpullover


Jeans müssen nur wirklich selten gewaschen werden, zu mindest bei hohem Baumwoll- und

geringem bzw. keinem Elasthananteil*. Die Jeans wurde ganz bewusst so robust konzipiert,

um Schmutz auszuhalten – auslüften reicht oftmals völlig. Alternativ kann die Jeans auch

eingefroren werden um Keime abzutöten. Wenn sie doch gewaschen werden soll, drehe sie

gerne auf Links, damit die Fasern nicht so beansprucht und die Jeans nicht so schnell ausgewaschen wird.


*Elasthan = Gummi, dass das Kleidungsstück dehnbarer macht – mittlerweile in den meisten

Jeans enthalten.


Wollpullover können in der Regel auch einfach ausgelüftet werden. Da sie aus Schurwolle

bestehen und die Wolle von Schafen stammt, ist sie selbstreinigend. Der Fettgehalt in der

Wolle sorgt dafür; eine der großartigen Eigenschaften der Schurwolle.


5. Bügeln & Trocknen


Bügeln macht eh niemand – aber falls doch: Vorsicht mit der Gradzahl – steht auch in den

kleinen praktischen Schildchen (Carelabel) in den Kleidungsstücken. Wem das Bügeln aber doch zu fancy ist, kann nach dem Duschen das Kleidungsstück auf einem Bügel in die Dusche hängen. Die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass sich die Fasern glätten.

Kleidung aus Wolle bitte nicht hängen, sondern immer über den Wäscheständer legen – also

waagerecht, ansonsten leiert das Material durch die Schwere der Nässe schnell aus.


6. Waschmittel


Lieber Pulverwaschmittel kaufen statt Flüssigwaschmittel. Warum? Pulverwaschmittel hat

oftmals keine schwer abbaubaren Konservierungsstoffe und ist oft in Pappbehältern

erhältlich. Wer dazu mehr Informationen möchte, kann das auf Utopia nachlesen. Und bitte darauf achten, dass es ein umweltfreundliches Waschmittel ist – in jeder Drogerie und in jedem Supermarkt ist mittlerweile nachhaltiges Waschmittel erhältlich und hier lohnt es wirklich die 1-2 Euro mehr auszugeben – unser Planet dankt.


Weichspüler ist sowas von 1990 – umweltschädlich und braucht kein Mensch.

Generell einfach möglichst wenig waschen. Kleidungsstücke sollten wirklich nur dann in der

Wäsche landen, wenn sie unangenehm riechen oder Flecken haben.

An dem Grad der Müffeligkeit – liegt natürlich auch an dem PH Wert jeder Person – kann aber auch die Qualität des Produkts erkannt werden. Polyesterstoffe riechen oftmals viel schneller als Naturfasertextilien. Deshalb gern auch schon beim Kauf darüber nachdenken, wie oft das Produkt getragen werden kann, ohne dass es gewaschen werden muss.

Auch hier wird sich unser Planet bedanken.


7. Trick 17 - Wodka


Manchmal riechen Teile dennoch schnell, oft haben sie dann einen hohen Elasthan- oder

Polyesteranteil. Auch dafür gibt es eine Lösung ohne es nach einmal tragen direkt in die

Wäsche zu schmeißen: Wodka.

Eine normale Blumensprühflasche 1⁄2 mit Wodka und 1⁄2 mit Wasser befüllen und das

besoffene – eh betroffene Kleidungsstück an den entsprechen Stellen besprühen. Wodka

neutralisiert den Geruch.


8. Übersicht der einzelnen textilen Materialien:


Um euch eine kurze Einführung zu geben habe ich die Textilien mit der Gradanzahl, bei der

sie gewaschen werden sollen, ihre Herkunft und wie das Material zu Trocknen ist, einmal

aufgelistet. Eine Art '1 mal 1' der Auseinandersetzung mit eurer Kleidung.

Alle Angaben sind ohne Gewähr. :)






Dieser Artikel wurde von Julia Radewald verfasst. Sie macht Projekt-Assistenz bei dem Projekt Become-A-Ware. Bei dem Interview zu Become-A-Ware ist die Idee zu diesem Artikel entstanden. Im normalen Leben ist Julia Modedesignerin und führt mit zwei Mitgründerinnen das Label und den Blog Kluntje auf dessen Webseite dieser Artikel ebenfalls erschienen ist. Wieso?

Weil ein achtsamer Umgang mit Kleidung Resourcen schützt und falsches Waschen einer der Hauptgründe ist, dass unsere Kleidung kürzer genutzt wird, als geplant.


Danke Julia für diesen Beitrag.