Wieso das Amazon Influencer Progamm zu dem persönlichsten Text auf diesem Blog inspirierte


Dieser Text hat diesmal nicht mit ReCommerce zu tun sondern handelt von einer persönlichen Geschichte, die wohl auch dazu geführt hat, dass ich den Blog begonnen habe. Aus diesem Grund möchte ich sie gerne erzählen.


Während meinem Praktikum 2008 lernte ich bei Puma einen Freund kennen. Eigentlich waren wir sehr unterschiedlich, aber eins hatten wir gemeinsam: wir liebten es über Marketing und Business Ideen zu reden. Bis heute ist er der Einzige mit dem ich je an einem gemeinsam Businessplan saß.


Ich erinnere mich wie gesten, an ein Gespräch mit ihm 2010, als er noch studierte. Er hatte nie Geld, weil er es meistens zum Bergsteigen ausgab und er mir immer ein McDonalds Menü aus den Rippen leierte, mit Ausreden, wie er habe seinen Geldbeutel vergessen. Ich hatte gerade meinen Uniabschluss in der Tasche und wollte einige Monate nach Brasilien. An dem Abend saßen wir also mal wieder bei McDonalds, ich mit einer Cola und er mit seinem Menü. Irgendwie kamen wir an dem Tag über Stress, den er egen einem Mädchen hatte, auf den Film die Joneses, der in dem Jahr in die Kinos kam. Ich glaube sie hatten ihn zusammen gesehen. In dem Film geht es darum, dass vier Schauspieler vorgeben eine Familie zu sein, um in einer Kleinstadt mehr Produkte bestimmter Marken an die andere Bewohner zu verkaufen. Wir redeten über den Film, dann war kurz Stille und er sagte:

Doris, meine Schwester ist soo hübsch, soo beliebt und hat so viele Facebook Freunde. Bald werden Firmen die dafür bezahlen ihre Produkte zu verwenden und zu bewerben, weil jeder so sein will wie sie. Ich weiß nicht genau wann das kommen wird, aber es wird kommen.


Ironischerweise launchte Instagram nur 6 Monate später.



Ich habe es damals Quatsch genannt. Ok, Jones, die waren Schauspieler und hatten keinen persönlichen Bezug zu den Leuten, denen sie die Sachen verkaufen. Aber wer würde seine Freunde und sein Umfeld so benutzen. Bei Facebook konnte ich mir das nicht vorstellen und das private Umfeld habe keine Reichweite bei der sich das lohnt. Ich hatte damals keine Ahnung von der Macht die Instagram haben würde und das der Beruf irgendwann Influencer hießen sollte.


Jetzt 10 Jahre später, nach meiner Zeit in der Fast Fashion, während der Zeit in dem ich bedeutungslosem Konsum den Kampf angesagt habe, stolperte ich über das Amazon Influencer Program. Was das ist? Jeder mit einem Social Media Kanal und einer durschnittlichen Followerzahl und Engagement kann nun Geld machen (bei Mode 11% Provisions) wenn man ‘Zeug’ an seine vermeitlichen ‘Freunde’ verkauft. (So nennen viele Influencer nämlich ihre Follower in der direkten Ansprache.)


WTF. jetzt muss man nichtmal mehr Influencer sein um Geld mit Empfehlungen zu machen, jetzt kann ich mit meinen 500 Freunden theoretisch Geld damit verdienen denen etwas zu verkaufen. Ziemlich schlau Amazon - jeder ist nun ein Influencer.


Auch wenn es bei Amazon nicht nur Schrott zu kaufen gibt, haben wir nicht alle gelernt, dass eine Plattform, die so groß ist, auch die Kontrolle darüber verliert was eigentlich über sie verkauft wird? Haben nicht erst Nike und Birkenstock ihre Produkte vom Direktverkauf auf der Plattform zurückgezogen, da es zu viele Plagiate gibt.

Bei Minute 6:10- 6:28


Amazon ist in so vielen Punkten fragwürdig und ich empfinde das Influencer Programm wie den Tropfen der das Glas zum überfließen bringt. Gott sei dank, ist es in Deutschland noch nicht so groß, aber ich empfehle euch, wenn ihr jemanden seht, der es verwendet, kauft aus Prinzip nicht über den Link. Es darf nicht belohnt werden gegen Geld jemandem etwas zu empfehlen, was man im Zweifel nicht selbst verwendet. Wenn Leute von einem Produkt begeistert sind, erzählen sie euch so oder so davon und lassen euch kaufen wo ihr es wollt.


Aber es gibt noch einen zweiten Teil dieser Geschichte. In den letzten sieben Jahren konnte ich mich zu meinen Business Ideen mit diesem Freund nicht mehr austauschen. Leider verunglückte er 2013 beim Bergsteigen. Zu der Zeit arbeitete er gerade an einem Konzept, bei dem Leute Lebensmittel und Gerichte von ihren Lieblingsrestaurants und Supermärkten bestellen können und Kuriere ihnen diese auf Fahrrädern bringen. Mit einer App wollte er sie alle vernetzten. Er hatte mit der Finanzierung und der Entwicklung erste Schritte gemacht. Verrückt oder? Ich konnte mir das damals nicht vorstellen.

Im gleichen Jahr launchte Deliveroo.


Er war immer am Puls der Zeit und sah Dinge schon kommen, bevor ich das konnte. Was würde ich heute geben, ihn zu fragen wie er mein Projekt findet, was er denkt wohin der Primärmarkt und der Sekundärmarkt sich entwickeln und in welche Richtung ich Rebound Stuff gehen soll.


Was würde ich geben, ihm nochmal ein Menü bei McDonalds kaufen zu dürfen und ihm einfach nur beim reden zuhören zu dürfen. Er war nämlich nicht nur einer meiner schlausten Freunde, er war auch einer der lustigsten und mit Abstand der takloseste. Was hätte er noch alles kommen sehen?


Diesen Sonntag trink ich einen auf ihn.



Quelle:

https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article188765911/Amazon-Influencer-Markenbotschafter-hinterlassen-faden-Beigeschmack.html

https://www.youtube.com/watch?v=p9wYXRUChD4

https://getyarn.io/yarn-clip/0afce898-738e-4393-b0d9-fef1cd000504

https://affiliate-program.amazon.com/influencers

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