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Meine Gretchenfrage: Will ich, dass Rebound Suff Shop Produkte über ITSAPARK verkauft werden?

Aktualisiert: Sept 20


Manchmal ist die Grenze zwischen dem was klug erscheint und dem was konsequent ist, nicht wirklich scharf. In den letzten Wochen habe ich mich mit einer wahren Gretchenfrage beschäftigen müssen: Will ich mit einem Fast-Fashion Riesen, wie der H&M Gruppe zusammenarbeiten? Auch wenn sie sich mit ITSAPARK anders aufstellen, ist das nicht nur same same? Glaube ich an den Wandel im bestehenden System oder verhindert dieser Glaube den nötigen radikalen Systemwechsel?


Letzte Woche habe ich diese Frage endlich für mich beantwortet: Nein, es sollen keine Rebound Stuff Shop Produkte via ITSAPARK verkauft werden. In diesem Artikel teile ich mit euch meine Überlegungen, Bedenken und Argumente gegen eine Zusammenarbeit mit der H&M Plattfrom.



Wie kam es zu dem Kontakt mit ITSAPARK?


Anfang August meldete sich ein ITSAPARK Manager für Partnership & Affiliates bei mir um eine mögliche Partnerschaft zu besprechen. Mein erster Impuls: ich habe mich gefreut. Yay, jemand hat meine Produkte entdeckt und findet sie interessant! Gleichzeitig hatte ich mir aber schon im Vorfeld ausgiebig Gedanken zu ITSAPARK gemacht und im Mai 2021 einen Artikel mit 4 kritischen Fragen über das H&M Konzept verfasst, der kein gutes Licht auf den Marktplatz und seine Strategie geworfen hat.


Trotz meines kritischen Artikels, blieb ich einem Gespräch mit ITSAPARK gegenüber offen und habe mich auf den Austausch wirklich gefreut. Vielleicht wäre eine Kooperation ja doch interessant, wenn ich mehr über die Vision und die Pläne von ITSAPARK weiß? Vielleicht können sie meine kritischen Fragen klar beantworten und überzeugen mich doch von dem Konzept? Wie für alle kleinen Label, ist die Reichweite, die so eine Kooperation bieten kann, ein wirklich starkes Argument für die Zusammenarbeit mit ITSAPARK.


Leider war mein erstes Gespräch mit dem Patnership Management eher ernüchternd. Meine beiden englischen Gesprächspartner waren auf kritische Nachfragen meinerseits nicht vorbereitet. Sie erklärten mir ihr Konzept und wie die Kooperation technisch funktioniert: Sie kuratieren auf ITSAPARK Produkte und würden auch aus dem Rebound Stuff Shop einiges (aber nicht alles) was ihnen gefällt aussuchen und das via Tipster (ihre Tech Plattform) auf ITSAPARK ziehen. Der Checkout findet über ITSAPARK statt und das Fullfilment dahinter findet über mich statt. Dafür bekommt ITSAPARK eine Verkaufsprovision, so wie z.B. Ebay und Amazon. Klingt easy für mich und klingt auch easy für ITSAPARK. Aber ich frage mich schon, wieviele Plattfromen ich als Secondhandhändler bezahlen soll um eine Secondhand Vase zu verkaufen.


Zur Beantwortung meiner kritischen Fragen auf dem Blog haben sie mir am Ende des Telefonats ein weiteres Telefonat angeboten, diesmal mit Vanessa Rotschild, Innovation Manager, und Elke Kieft, Communications Manager. Ihnen durfte ich eine Woche später die 4 kritischen Fragen aus meinem Artikel persönlich stellen und habe mich sehr über diese Offenheit gefreut. Die Antworten von ITSAPARK könnt ihr unten in diesem Artikel lesen.



Warum habe ich mich trotzdem gegen eine Kooperation mit ITSAPARK entschieden?


Das Gespräch mit Vanessa und Elke musste ich fast vier Wochen ruhen lassen, bevor ich meine Entscheidung treffen konnte. Sie hatten alles beantwortet und doch war ich letztlich nicht von ITSAPARK überzeugt, sondern hin und her gerissen zwischen dem was für den Rebound Suff Shop ein geschäftlich kluger Move sein könnte und meiner persönlichen Überzeugung, dass wir einen Systemwechsel brauchen.


Hier die Hauptgründe für meine Entscheidung:


1. ITSAPARK will 'bessere' Produkte verkaufen, räumt aber ein, dass die meisten ihrer Produkte noch nicht 'gut' (wahrlich nachhaltig) sind. Wenn man sich die Produkte bei ITSAPARK ansieht, sieht man viele Marken und Labels deren Nachhaltigkeit grundsätzlich in Frage stehen, wie NU-IN.

Sie begründeten es damit, dass es noch nicht genug 'gute' Produkte in einem niedrigen Preissegment gibt, d.h. für eine preissensitive Kundin und setzten daher auf objektive Produkt-Tags, die den Kunden ganz genau darüber informieren, was es da kauft. Hinter jedem Tag befindet sich ein kleiner Text der genau sagt, was sich hinter dem Begriff verstecktUnd ich finde, dass ist ein guter Ansatz, würde sich nicht die ganze Plattform als per-se nachhaltig darstellen.

Es ist für mich kein Argument ein 10 Euro Weekday T-Shirt als nachhaltig oder besseres Produkt zu deklarieren, damit eine junge Kundin denkt, gute nachhaltige T-Shirts gibt es für 10 Euro. Diese Art der Kundenverwirrung hat H&M vor 10 Jahren begonnen und führt sie meiner Meinung nach nun auch über ITSAPRAK weiter.


2. Vanesssa und Elke haben gesagt, dass es derzeit nicht beabsichtigt ist, Kunden der H&M Filialen zu ITSAPARK Kunden zu machen. Daraus schließe ich, dass man eher die Kunden der nachhaltigen Nischen für ein H&M Konzept gewinnen will, als die Masse der H&M Kunden zu mehr Nachhaltigkeit zu erziehen.

Selbst wenn ITSAPARK, wie sie sagen, wichtige Lernerfahrungen zu Produkt-Tags macht und dazu, welche Nachhaltigkeitsaspekte den Kunden am meisten ansprechen, um sie anschließend in die gesamte H&M Gruppe zu tragen, dauert mir dieser Prozess ehrlich gesagt zu lange. Sagen wir, Kund:innen kaufen Produkte mit einem bestimmten Tag wie "recycelt", ITSAPARK lernt davon, dass dies den Kund:innen wichtig ist, woraufhin die H&M Gruppe mehr auf Recycling setzt. So oder so änlich soll das Ganze wohl funktionieren.

Meiner Meinung nach sollte man gute Produkte entwickeln ohne Kund:innen zu fragen was sie als nachhaltig definieren, denn die Kund:innen wissen im Zweifel ja gar nicht, was alles an nachhaltigen Optionen zur Verfügung steht und sind auf einem ganz anderen Wissenstand. Kund:innen sollten nicht den Unternehmen sagen müssen, was sie unter nachhaltig verstehen und was sie bereit sind dafür zu zahlen – wir als Industie sollten ihnen sagen, was wissenschaftlich nachhaltig ist und was es tatsächlich kostet, dies zu produzieren.

Alles andere führt meiner Meinung nach zu noch mehr Verwirrung.

Nur als Beispiel: Dank der Tags wie 'recycelt', die ja auf vielen Kleidungsstücken schon zu finden sind, denken viele Kund:innen, dass ganzheitliches Textilrecycling schon funktioniert. Diese Annahme begegnet mir in meinem Alltag im Shop jeden Tag. Tatsächlich scheinen Kund:innen auf Grund der Kommunikation der Bekleidungsbranche zu denken, dass die Technologien schon viel weiter sind, als das eigentlich wahr ist.




3. Ich glaube, ITSAPARK ist nicht wirklich an einem echten Austausch interessiert. Obwohl ITSAPARK seit 2020 in der Mache war und im Mai 2021gelauncht hat, haben 3 der 4 Leute mit denen ich geredet habe die Platfrom NEW NORMAL nicht gekannt und man hatte in der Pre-Launch Phase wohl auch keinen Kontakt zu ihnen aufgenommen. Kurz nach dem ITSAPARK Launch hat NEW NORMAL, die eine sehr ähnliche Plattform zu ITSAPARK hatten, verkündet ihr Konzept einzustellen. Ich vermute, dass potentielle Geldgeber und eventuell sogar die Gründer wohl keine Chance gegen H&M sahen.

Das Argument von Elke, man sehe keine Konkurrenten sondern nur potentielle Partner und Kooperation in der Branche, halte ich daher eher für einen Wunsch als für Realität. Wer als Start-Up mit 30 Leuten startet und zum Launch ganz Berlin mit Wild Postings zu plakatiert, hat finanziell eine Power, die kleine Start-Ups einfach weghauen kann, ohne eventuell zu merken, dass sie überhaupt da waren. Wenn ITSAPARK der Austausch, vor allem in Berlin, wie sie sagen, so wichtig ist, hätten sie meiner Meinung nach im Vorfeld mit Leuten vor Ort, wie mit Cherie von 'Sustainable Fashion Matterz' oder mit den Gründerinnen von den 'Fashion Changers' reden sollen, anstatt Marken wie NU-IN onzuboarden.


Wild Plakatierung in Berlin im Mai 2021



4. Und für mich am Wichtigsten, warum hat mich ITSAPARK gerade jetzt angesprochen und nicht schon vorher? Die Agenda scheint für mich ziemlich klar: ITSAPARK braucht die Produkte vom Rebound Stuff Shop gerade jetzt, da es in der Pre-Owned Home Kategorie wenig diverses Angebot gibt. Bei ITSAPARK ist das Sortiment nach 6 Monaten noch sehr überschaubar. Auf meine Frage, wieso sie nicht mehr Produkte von Sellpy (eine Plattffrom in die H&M stark investiert hat) aufnehmen, antwortete man, es gebe da noch das ein oder andere technische Problem. Dank dieser Antwort nehme ich auch an, dass sie mich zwar jetzt brauchen, aber Rebound Stuff in den nächsten Monaten durch die Sellpy Produkte leicht zu ersetzten ist.


Ich persönlich möchte die Preise für Kunden nicht teurer machen um H&M / ITSAPARK & Tipster (der Tech Plattform hinter ITSAPARK) etwas abzugeben. Jedes der Label das via ITSAPARK verkauft, hat einen eigenen Shop in dem man die gleichen Produkte bestellen kann, ohne das H&M daran mitverdient. Ich denke nicht, dass H&M über den Verkauf meiner Produkte Daten sammeln und etwas daraus lernen muss, um es eventuel später für eigene Zwecke zu nutzen.



Klare Entscheidung, oder?


Trotz all dieser Bedenken, ist mir die Entscheidung schwer gefallen. Klar hätte ich etwas mehr Reichweite durch ITSAPRAK gebrauchen können. Die Vorstellung, dass die Arbeit die man in so ein Start-Up steckt von mehr Leuten gesehen wird, ist verlockend. Aber am Ende ist mir der Preis, den ich wahrscheinlich dafür bezahlt hätte, zu hoch: Meine eigene Glaubwürdigkeit und die Vision für einen ganzheitlichen Systemwechsel aufzugeben.


Ich denke, wir brauchen echte Veränderungen, damit gute Unternehmen neu entstehen und wachsen können. Wir brauchen nicht die großen Player, die sich langsam wandeln, sondern gute Unternehmen die schnell wachsen.


Mein Fazit zu dem Gespräch:


Ich kann es den beiden sympathischen Frauen leider nicht abnehmen, dass ITSAPARK in erster Linie nur Gutes will. Obwohl ich zweifelsfrei glaube, dass jede Person mit der ich bei ITSAPARK geredet habe, Nachhaltigkeit als wichtig erachtet und sie ihr Bestes tun, um in ihrem Rahmen ITSAPARK besser zu machen, glaube ich auch, dass das die H&M Gruppe, welche ihr Kerngeschäft in Fast Fashion hat, dies nicht grundsätzlich überdenkt und ändern will. Und ITSAPARK ist, zumindest in meinen Augen, nicht unabgängig genug um sich davon loszusagen. Ich denke eher, die H&M Gruppe streckt mit ITSAPARK die Fühler danach aus, was am Markt geht. Anscheinend muss man erst herausfinden, wie man mit nachhaltigen Konzepten Wachstum generieren kann, bis man das Hauptgeschäft langsam umstellt.

Während die H&M Gruppe sich 'Meaningful Growth' zum Ziel gemacht hat, was an sich erstmal positiv klingt, vergessen wir leider allzuoft uns eines ganz klar zu machen: Es ist nach wie vor der Wachstumsgedanke 'GROWTH', der das Ganze antreibt, nicht der Gedanke des Wandels.

'Growth' bedeutet immernoch einfach 'Mehr', in einer Zeit, wo es doch ganz klar zum Weniger kommen muss.


Hier die Antworten von Vanessa Rotschild, Innovation Manager, und Elke Kieft, Communications Manager, zu meinen 4 kritischen Fragen.


Das Interview:


1. Ich: Warum muss ein Unternehmen wie H&M, dessen Kerngeschäft weit entfernt von Nachhaltigkeit liegt, und eher im Verdacht steht Greenwashing zu betreiben, mit einer solchen Plattform zusätzlich Geld mit 'kleinen' echt nachhaltigen Labels verdienen?


Vanessa Rothschild: ITSAPARK ist Teil der H&M Gruppe und die H&M Gruppe hat sich 'Meaningfull Growth' als Ziel gesetzt. Neben den zahlreichen Marken, die zu der H&M Gruppe gehören, gibt es noch einen Bereich der sich Business Ventures nennt, zu diesem Bereich gehört auch ITSAPARK. Diese Business Ventures werden strategisch geschaffen um das Gesamtziel 'Meaningfull Growth' zu verfolgen und bedeutend voranzutreiben. ITSAPARK zahlt vor allem auf dieses Ziel ein. In diesen Business Ventures arbeiten wir mit den H&M Marken im engen Austausch. ITSAPARK selbst hat das Kernziel mit kleineren und nachhaltigen Marken Kooperationen einzugehen und von ihnen zu lernen, echte Beziehung zu ihnen aufzubauen und sie zu unterstützen, z.B. wenn es um eine größere Reichweite geht. Außerdem möchte wir unseren Kunden eine Vielfalt von Marken anbieten, die H&M selber nicht bieten kann und dadurch können wir auch mit Kunden eine Beziehung aufbauen indem wir ihnen etwas mehr bieten. Unsere Nachhaltigkeitskriterien (soziale, ökologische Aspekte und Transparenz) sind das Fundament für die Zusammenarbeit mit diesen Marken und Unternehmen und auch das Fundament der Produkte und der Kundenbeziehungen.


Die H&M verfolgt ein klares Ziel und mit ITSAPARK gibt es eine Möglichkeit die Richtung vorzugeben und voranzutreiben.


2. Ich: Verwässert H&M mit dem ITSAPARK Konzept weiter die Grenzen zwischen echten nachhaltigen Produkten und Greenwashing, nach dem Motto #YEPTHATCOUNTS ?


Vanessa Rothschild: Ein großer Aspekt um den Wandel von kommerzieller Mode zu nachhaltiger Mode zu vollziehen, ist Transparenz. Und dieser Faktor ist zentral bei ITSAPARK. Wir möchten das der Kunde seine Entscheidung auf bessere Informationen stützen kann, als bisher. Deswegen ist ein zentraler Punkt bei ITSAPRAK die Produkttags, die dem Kunden vermitteln, wieso dieses Produkt eine bessere Wahl ist, als ein konventionelles Produkt. Wir haben dafür sehr genaue und objektive Kriterien aufgestellt.


Ich: Viele der Produkte die derzeit online sind, sind eventuell besser als kommerzielle Kleidung aber wirklich gut sind sie noch nicht.


Vanessa Rothschild: Zusammen mit den Marken auf ITSAPARK möchten wir die Kriterien in Zukunft noch weiter ausarbeiten und noch transparenter gestalten. Die Tags z.B. so zu erweitern, dass Produkte mehr als nur ein Tag tragen können, damit der Kunde auf einen Blick eine gute Wahl treffen kann. Mehr Tags bedeuten dann mehr Argumente für ein Produkt. Aber nicht jeder Kunde ist schon soweit ein gutes Produkt zu wählen, die meisten Kunden sind noch sehr preissensitiv. Deswegen sagen wir auch wir bieten vor allem bessere Produkte an. Zudem kuratieren wir die Produkte auf ITSAPARK und merken, dass es noch gar nicht so viele 'gute' Produkte gibt. Deswegen setzten wir auf die Tags, damit sich jeder Kunde schnell selbst informieren kann und wir hoffen, dass es in der Zukunft mehr gute und zirkuläre Produkte geben wird, die wir dort zeigen können.


3. Ich: Kann man guten Gewissens nachhaltig bei ITSAPARK einkaufen, wenn man weiß, dass die Plattform zu H&M gehört und deren Kerngeschäft bei Fast-Fashion liegt?


Vanessa Rothschild: Generell kann man nicht in die Gefühle schauen, die Menschen haben wenn sie einkaufen, bzw. wir können niemandem vorschreiben, wie er sich zu fühlen hat. Ich kann nur sagen, dass die H&M Gruppe gerade einen Wandel durchläuft vom Wachstum zum 'achtsameren Wachstum' (Meaningfull Growth) und was wir auf diesem Weg tun können, ist so transparent wie möglich zu sein, wenn wir über Nachhaltigkeit auf ITSAPARK reden, so dass Kunden eigene Entscheidungen treffen können.


Ich: Wäre es vorstellbar, in den H&M Filialen Werbung für ITSAPARK zu platzieren um den H&M Kunden zu 'besserem' Konsum zu erziehen, nachdem man ihn auch lange durch die Kommunikation bei H&M verwirrt hat?


Vanessa Rothschild: Alle Marken und Business Ventures in der H&M Gruppe haben ihre eigenen Zielgruppen. Bis 2030 wird die ganze H&M Gruppe recycelte und andere nachhaltig gewonnen Materialien für die Produktion verwendet. Bis 2025 wird die H&M Gruppe bereits 30% ihrer Kleidung aus recycelten Materialien herstellen. Die Marke H&M hat eigene Kollektionen die nachhaltig(er) hergestellt werden und ihre eigenen Ziele und Milestones, aber der Austausch zwischen den Marken und den Kunden ist wichtig. Bei ITSAPARK verkaufen wir eben auch Produkte der H&M Marken, die unseren Kriterien entsprechen.


4. Ich: Brauchen wir in Berlin wirklich H&M als diejenigen, die nachhaltige Labels, Firmen und Dienstleistungen zusammenbringen?


Vanessa Rothschild: Wir lieben Berlin für seine Energie und Start-Up Mentality und wegen der tollen Marken die hier sind und seinem Drive für Nachhaltigkeit. Deswegen sind wir hergekommen. Für ITSAPARK, als unabhängige Einheit von H&M, war es daher der Ort, der sich am natürlichsten angefühlt hat um so etwas zu starten. Die Mission war es Leute & Marken auszumachen und zu finden, die diesen Wandel mit uns vorantreiben wollen. Mit dieser Absicht sind wir hierhergekommen. Es ist aber nicht verwunderlich, das mehrere Leute diese Geschäftsmöglichkeit sehen und deswegen auch hierherkommen um zu erkunden, ob diese Art des Einkaufens zukunftsfähig ist. Zumindest wir sehen, dass wir auf diesem Weg viel testen und lernen müssen. ITSAPARK als solches ist ein kleines Unternehmen, das gerade dabei ist etwas über diese Nische zu lernen. Und wir denken es ist Platz für mehrere Akteure in diesem Feld die alle ihre eigene Nische entdecken können.


Ich: NEW NORMAL war als Plattform sehr nah an dem dran was ihr gerade mit ITSAPARK macht. Habt ihr sie z.B. vorher kontaktiert, denn wie ihr sagt, geht es euch ja auch um den Netzwerkgedanken? Bzw. habt ihr von ihnen zumindest gehört?


Vanessa Rothschild: Nein.


Elke Kieft: Ja habe ich. Ich kann von meiner Seite nur sagen, dass die Absicht, die wir mit diesem Projekt haben, um Kollaboration geht, nicht um Konkurrenz. Als ich begonnen habe hier zu arbeiten war es einfach interessant, ja fast herzerwärmend, dass wir dabei nie über Konkurrenten geredet haben, sondern nur über Kollaborationen. Es sind nur Dinge besprochen worden wie 'Teaming Up' und 'Cooperations' und 'Partnerships'. Es ist nicht die erste Partnerplattform die H&M gestartet hat. Aber ja, vielleicht haben wir es verpasst mit Akteuren wie NEW NORMAL zu reden und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Vielleicht sollten wir mit den Leuten reden, die dort gearbeitet haben. Und die Wahrheit ist, wir haben keine Konkurrenzanalyse gemacht und vielleicht war das naiv, aber unser Kern bei ITSAPARK sind Partnerschaften und wir haben nur daran gearbeitet mit wem wir zusammenarbeiten können.


Ich: Also nochmal konkret zu meiner Frage zurück, brauchen wir das Geld von H&M um nachhaltigen Konsum zu verbreiten?


Vanessa Rothschild: Es geht im Grunde darum das Kundenverhalten zu verändern und das ist nicht leicht. Wir als Menschen brauchen Hilfe um unser Kaufverhalten zu verändern und das braucht Aufklärung. Wir besprechen mit unseren Partnern, wie wir bei ITSAPARK Kunden erziehen können, damit ihre Dienstleistungen mehr genutzt oder Produkte mehr verkauft werden können.

Meiner Meinung nach ist es auch eine Art das Ganze so zu betrachten: wenn größere Unternehmen wie H&M auf einen Markt oder in ein Segment kommen bringt das auch die Möglichkeit echt Veränderung zu bewirken, weil der Hebel größer ist. Und das ist bei ITSAPARK unsere Kernfrage: Wie können wir Kundenverhalten verändern und welches Verhalten wollen wir überhaupt genau verändern.


Ich denke neben recycelten Materialien ist Secondhand ein großes Thema. So wie es Greta neulich gesagt hat: wir müssen über die bestehenden Systeme hinausgehen um etwas zu ändern. Deswegen möchten wir Partnern die neue Systeme haben den Weg ebenen.


Also es ist eine positive Entwicklung würde ich sagen, das große Firmen die Verantwortung dafür übernehmen. Das hat auch mich überzeugt für H&M zu arbeiten.


Ich: Haben wir, und ich schließe mich mit ein, da ich auch in der Fast Fashion gearbeitet habe, nicht unser Bestes getan um den Kunden in den letzten Jahren so zu verwirren, dass er nicht mehr weiß, was gut und echt ist? Und weiter, haben wir tatsächlich die Zeit mit der Veränderung soweit zu warten, bis der Kunde soweit ist?


Vanessa Rothschild: Wir reden viel mit Kund:innen und möchten sie so gut wie möglich verstehen. Für sie bedeutet Nachhaltigkeit viele Dinge, von vegan bis recycelt. Nun liegt es an uns, dort anzuknüpfen und sie weiterzubilden. Für uns, die wir in der Industrie arbeiten sind Dinge oft klar und einfach, Kund:innen sind aber auf einem ganz anderen Wissenstand. Also fragen wir, ist das was wir hier tun, für dich und deine Entscheidungen hilfreich oder verwirrt es? Danach bauen wir ITSAPARK auf.


Ich: Und seht ihr es nicht kritisch Produkte einer H&M Marke bei ITSAPARK zu verkaufen, die im Grundcharakter nicht nachhaltig ist?


Vanessa Rothschild: Jede große Marke hat verschiedenen Geschäftsbereiche. Wir gehen sicher, dass die Kollektion oder Produkte die 'besser' sind sich auch besser verkauft. Damit findet eine Verlagerung der Gewichtung statt und ändert auf Dauer den Charakter einer Marke. Und wie vorher erwähnt, hat die H&M Gruppe schon den Wandel angetreten bzw. begonnen.