Was ist eigentlich ein Marktplatz?

Aktualisiert: Nov 10


Bei Online Marktplätzen handelt es sich um digitale Plattformen, auf denen verschiedene Händler ihre Waren anbieten können. Diese Waren können auch schon gebraucht sein. Die wohl bekanntesten Online Marktplätze bei uns in Deutschland, sind wohl Amazon und eBay.

Wie funktioniert ein Online Marktplatz genau?


Ein Online Marktplatz übernimmt praktisch die Funktion des Marktleiters. Er ermöglicht den Händlern, aber auch Privatpersonen, durch seine Plattform ihre Produkte Kunden zum Kauf anzubieten. Er selbst sorgt also für ein funktionierendes System: ausreichend Traffic (viele Besucher), eine stabile ansprechende Plattform (einen schönen Platz) und eine positive Kunden Erfahrung (dem Kunden gefällt es auf dem Marktplatz). Im Idealfall kümmert er sich auch um rechtliche Dinge, d.h. er stellt z.B. sicher, dass die Waren, die durch ihn verkauft werden, keine Fälschungen oder Diebesgut sind und, dass Kunden ihre Waren auch wirklich erhalten. Er stellt also die Regeln auf. Wenn ein Händler sich nicht an diese Regeln hält, wird er vom Marktplatz ausgeschlossen. Manche Marktplätze bieten sogar echt viel zusätzlichen Service an, wie interne Zahlsysteme (Kleiderkreisel).


Viele Händler nutzen Marktplätze zusätzlich zu ihren eigenen Shops, so können kleine Online-Shops und Offline-Läden ihre Käuferschaft dank der Marktplätzen erweitern. Sogar einige der größten Unternehmen verkaufen über Marktplätze, darunter auch die meisten ReCommerce-Unternehmen, so z.B. momox. Bei Ebay und Amazon gibt es z.B. den Medimops Shop und obwohl z.B. Ubup nur in Deutschland einen eigenen Shop hat, sind sie über Ebay weltweit aktiv.

Wenn du einen Marktplatz benutzen willst, musst du dich wie ein Händler um alles selbst kümmern. Er liefert dir nur die Plattform etwas zu verkaufen und bekommt dafür in den meisten Fällen einen Teil deines Verkaufspreises von dir.

Welche Vor- und Nachteile hat es einen Marktplatz zu nutzen?


Um nun zu entscheiden, ob wir Gebrauchtes auf Marktplätzen verkaufen und kaufen wollen, ist es gut zu wissen, welche Vor- und Nachteile auf beiden Seiten bestehen. Marktplätze sind nur eine Möglichkeit Käufer und Verkäufer zusammen zu bringen. ReCommerce-Unternehmen, Flohmärkte, Second Hand Shops oder Spenden - die alle kämen ebenfalls in Frage um gebrauchte Dinge zu kaufen und zu verkaufen. Ich werde sie der Reihe nach in diesem Blog vorstellen.


Marktplätze bieten folgende zusätzliche Vorteile aber auch Nachteile:


Vorteile beim Verkauf

  • Gewünschter Verkaufspreis gegenüber dem Verkauf an ReCommerce-Unternehmen oder Second-Hand-Läden

  • Alle Produkte (außer Lebensmittel, Kosmetik und Medizin) können über Plattformen verkauft werden, unabhängig der Marken, Größe und Funktionsfähigkeit. Manche Plattformen haben sich spezialisiert, aber es gibt einige Generalisten, wie z.B. Ebay

Vorteile Beim Einkauf

  • Zusatzfragen an den Verkäufer können gestellt werden

  • Möglichkeit zur Preisverhandlung - meist kann der Verkäufer kontaktiert werden und der Preis kann nachverhandelt werden

  • Alle Produkte (außer Lebensmittel, Kosmetik und Medizin) können über Plattformen gekauft werden. Manche Plattformen haben sich spezialisiert, aber es gibt einige Generalisten, wie z.B. Ebay

  • Oft kann man, wenn ein Verkäufer in der Nähe wohnt, Dinge selbst abholen und dabei begutachten

Nachteile beim Verkauf

  • Zeitintensiv im Vergleich zu anderen Methoden des Verkaufs: von der Produkteinstellung mit Text und Bild, bis zum Versand muss man alles selbst machen (Ausnahme sind Marktplätze mit Concierge-Service. Dazu folgt später ein Blogpost)

  • Verkauf von jedem Produkt einzeln: selten kaufen Kunden mehr als zwei Produkte gleichzeitig; alle Arbeitsschritte, die nach dem Onlinestellen kommen, können nicht gebündelt für deine zu verkaufenden Produkte gemacht werden

  • Einige Käufer möchten nachverhandeln und dann findet man sich als Verkäufer schnell in Diskussionen wieder

  • Mögliche Beschwerden von Käufern nach Abschluss des Kaufs und Erhalt der Ware, die über die Marktleitung geklärt werden müssen

  • Aufwendige Zahlungsabwicklungen: je nach Plattform müssen die Zahlungen überprüft werden; je nach Käufer werden andere Zahlungsmöglichkeiten bevorzugt - schließt man einige davon aus, verringert man dadurch seine Chance auf einen schnellen Verkauf

  • Einige Marktplätze haben keine Sofort-Kauf Option woraufhin man von jedem Händler einzeln kontaktiert wird

  • Nicht jeder Kontakt führt zum Verkauf: obwohl man sich Zeit nimmt, Fragen zu beantworten und Zusatzinformationen an den Interessenten versendet

  • Manchmal nimmt man sich für Selbstabholer extra Zeit und wird dann regelrecht stehengelassen; der Käufer taucht nicht auf und meldet sich nie wieder

Nachteile beim Einkauf

  • Kein Umtauschrecht und Reklamationsrecht, wenn man von Privat kauft

  • eingeschränkter Kunden Service

  • Uneinheitliche Zahlungsmethoden

  • Große Auswahl aber viele Einzelbestellungen /Transaktionen

  • Jeder Kauf birgt Risiken: wenn das Produkt nicht selbst abgeholt wird, muss man im Normalfall bezahlen, bevor der Verkäufer das Produkt verschickt; kommt das Produkt dann nicht an, ist beschädigt oder gefälscht, muss der Käufer dies nachweisen und es kommt zu einem Klärungsverfahren, das unter Umständen lange dauern kann.

Welche Marktplätze gibt es in Deutschland?


Generell sollte man vier Arten von Marktplätzen in Deutschland unterscheiden.

  1. Privatperson zu Privatperson (Kleiderkreisel, Ebay Kleinanzeigen)

  2. Händler zu Privatpersonen (Refurbed, Hey.Car)

  3. Händler und Privatperson an Privatperson (Amazon & Ebay)

  4. Händler zu Händler (Amazon Business, Zentrada, Restposten.de)

Viele dieser Marktplätze verkaufen auch Neuware neben Gebrauchtem, weswegen ist eine eindeutige Zuordnung gar nicht mehr so einfach ist. Auch bei Plattformen wie Etsy, die eigentlich “Gebasteltes” von Privatpersonen verkauft haben, finden sich mittlerweile kleine Unternehmen, aber auch Second-Hand-Händler wieder.


Zudem unterscheiden einige Plattformen, wer welche Kategorien verkaufen darf. Bei Amazon und Ebay z.B. gibt es Gebrauchtes ebenso wie Neues und es können Händler ebenso wie Privatpersonen dort ihre Produkte anbieten. Vor allem die großen Plattformen entwickeln sich ständig weiter. Bei Amazon kann man zwar momentan noch keine gebrauchte Kleidung verkaufen, weder als Privatperson noch als Händler, durchaus aber gebrauchte Bücher. Und seit dem Amazon mit Amazon Wardrobe gerade stark Kleidung pusht, würde es mich nicht überraschen, wenn bald Händler auch gebauchte Kleidung über Amazon anbieten dürften.


Der beliebteste Marktplatz für Gebrauchtes in Deutschland ist immer noch Ebay, der Generalist. Darüber hinaus gibt es aber viele Spezialisten für einzelne Produktkategorien: von Kleidung (Kleiderkreisel), Fahrzeugen (Autoscout, Hey.Car) bis hin zu Möbeln (Used Design).


In den nächsten Wochen veröffentlichte ich eine Liste, die einen Überblick gibt, wo man als Privatperson gebrauchte Dinge verkaufen darf, kaufen kann und welche Produktarten dort gehandelt werden. Dabei werde ich mich auf die relevantesten Marktplätze beschränken.

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Lohnt es sich einen Marktplatz zum Verkauf zu nutzen?


Der größte Kritikpunkt von Marktplatz-Nutzern ist, dass es zeitintensiv ist und man viele Enttäuschungen erlebt. Dafür kann man aber (fast) alles über Marktplätze verkaufen und wählt seine eigenen Preise. Als Käufer muss man mindestens genauso viel Zeit damit verbringen, nicht nur das Produkt zu finden, sondern auch den Verkäufer unter die Lupe zu nehmen.

Die einzelnen Marktplätze sind auch sehr unterschiedlich - während manche eine Sofort-Kauf-Option haben und die Zahlung versichern, muss man bei anderen anrufen und sich persönlich treffen.


Marktplätze gab es schon immer und die Digitalisierung dieser ist eine gute Möglichkeit, unsere nicht mehr verwendeten Dinge einer großen Menge an potentiellen Käufern anzubieten. Vor allem auch die Dinge, die ein ReCommerce-Unternehmen nicht annimmt.

Lohnt es sich einen Marktplatz zum Kauf zu nutzen?


Schwere Frage. Neben vielen guten Erfahrungen gibt es auch immer wieder mal Enttäuschungen. Man kann von Super-Schnäppchen bis hin zu echten Unikaten alles finden, muss aber etwas Zeit investieren. Und zwar auf beiden Seiten, für den Verkauf und auch für den Einkauf auf Marktplätzen. Elli, eine Freundin von mir (Interview kommt in den nächsten Tagen) setzt sich z.B. bei Kleidung ein 30 € Limit, dass -falls es mal schief läuft- die Enttäuschung und der “Schaden” nicht so schlimm sind und das Kaufen von Second-Hand keine negative Erfahrung wird.

Ich persönlich nutze Ebay und Kleiderkreisel seit mehreren Jahren und verkaufe immer mal wieder etwas. Ich verkaufe allerdings mehr als ich kaufe, was sich dieses Jahr hoffentlich ändern wird. In meinem Wohnzimmer steht immer eine Kiste, in die ich alles hineinlege, was ich nicht mehr brauche oder will. Wenn ich dann abends Lust habe, fotografiere ich die Sachen und stelle sie online. Und dann warte ich. Bei Ebay gibt es die Funktion “Automatisch wieder einstellen”, die ich fast immer nutze. Bei Kleiderkreisel bleiben die Sachen einfach drinnen, bis man sie löscht oder sie verkauft sind. Ebay Kleinanzeigen nutze ich eigentlich nicht oft, da es keine Sofort-Kaufen-Option gibt und mir Lust und Laune fehlt mit den Leuten zu schreiben. Vor zwei Monaten habe ich aber für meine Nichte einen ungebrauchten Spielbogen gekauft und das war eine echt gute Erfahrung, weil alles so problemlos geklappt hat. Ich habe sogar die Originalrechnung mit Gewährleistung mitgeschickt bekommen und ich habe 50 € gegenüber Neupreis gespart.


Dir sind beim Lesen noch mehr Vor- oder Nachteile eingefallen? Schreibt diese gerne unten in die Kommentare, genauso wie deine Meinung, Tipps und Erfahrungen zu Marktplätzen.









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