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Announcement: Nach 4 Monaten ist der Boxankauf ab heute erstmal on hold

Aktualisiert: Aug 20


Zu viel ungenutztes Zeug zuhause, zu viele Fehlkäufe und keine Zeit, Dinge einzeln auf Marktplätzen zu verkaufen? Unser Angebot: Mach dir keinen Stress, pack einfach alles was du nicht mehr brauchst in eine Box und verkaufe es in einem Schwung an Rebound Stuff!

Schnell, unkompliziert und mit direkter Auszahlung.

Wir fangen da an, wo Marie Kondo aufhört.

Das ist der Service, von dem konsumgeplagte Leute wie wir träumen und den wir für unsere ebenfalls darunter leidenden Mitmenschen anbieten wollen. Mit dem Ziel, Dinge weiter zu verwenden, damit weniger neu produziert werden muss. In der Hoffnung, Leute würden diesen Service willkommen heißen und verstehen.


In den letzten 4 Monaten haben wir nach hunderten von Boxen etwas verstanden, das uns in der Theorie bewusst war, uns in der Praxis aber wortwörtlich erschlagen hat.


Die drei großen Erkenntnisse des Box-Ankauf:


1. Fast-Fashion ist nicht nur ein Problem der Modeindustrie.


Obwohl wir unseren Boxankauf-Service nicht speziell auf Kleidung ausgerichtet haben und dies auch nicht besonders beworben haben, haben wir extrem viel Kleidung zugeschickt bekommen. Es gibt bereits viele Plattformen und Marktplätze wie Secondhlifefashion, Vinted, Sellpy, Momox und Co, an oder über die man Kleidung verkaufen kann. Dennoch scheint der Bedarf hier noch nicht gedeckt zu sein, denn unsere Box hat ganz klar einen Nerv getroffen. Wir hatten gehofft, einen Service anzubieten, bei dem wir Leuten die Arbeit abnehmen können sich um jedes geliebte oder falsch gekaufte Teil einzeln kümmern zu müssen. Was wir aber nicht vorausgesehen haben, ist, dass etwa die Hälfte aller Sachen die wir zugeschickt bekommen, Kleidung ist. Natürlich ist auch bei uns der größte Anteil Fast-Fashion und das hat uns spontan auf die Idee mit der ‘Stop reading me as Fast-Fashion Kollektion’ gebracht. Das hat natürlich nicht gereicht um die Kunden für das Thema zu sensibilisieren.


Doch was bei der Kleidung zu Erwarten war, führte in einem anderen Bereich zur ersten Erkenntnis: Fast-Fashion ist nicht nur ein massives Problem der Modeindustrie, sondern die Idee findet sich in fast allen anderen Bereichen wieder. Home & Living Produkte zum Beispiel sind genauso von schnelllebigen Modetrends geprägt. Es gibt nicht mehr nur den einen dominierenden Stil der auf die Formgebung in Bereichen wie der Architektur, Möbel, Fahrzeuge, Schmuck oder Gebrauchsgegenstände Einfluss hat, so wie einst Art déco. Anders als früher, haben wir es heute auch in diesen Bereichen mit Modetrends anstatt Stilrichtungen zu tun. Unternehmen wie IKEA, Butlers, H&M Home und unzählige Onlineshops, treffen den gleichen Nerv wie auch die Fast-Fashion Modeindustrie. Wir wollen uns immer wieder neu erfinden und es ist billig genug, dies in allen Lebensbereichen zu tun. Unsere Wohnung passt sich unseren Lebensphasen genauso schnell an wie unser Kleiderschrank. Und auch hier sind die Dinge so billig geworden, dass wir mit jedem Trend mitgehen können und es uns nicht leid tun muss, Aussortiertes weg zu werfen.

Halt, Stopp! Genau das ist Erkenntnis Nummer zwei.


2. Menschen wissen sehr wohl, dass die Dinge die sie nicht mehr brauchen kein Müll sind, aber sie haben keine Ahnung wohin damit.


Wegwerfen ist dann doch zu krass, da bestehen scheinbar doch Skrupel. Kaum jemand wirft die Dinge wirklich weg, nur weil er sie nicht mehr haben will, stattdessen werden sie “gespendet”. Kleidung wird seit über 40 Jahren in die Container der Altkleidersammlung geworfen. Viele Menschen glauben sie gehen an bedürftige Menschen hierzulande, wie Obdachlose oder Flüchtlinge. Einige haben verstanden, dass sie teilweise vermarktet und nach Afrika verkauft werden. Wenige wissen, dass die meiste Fast-Fashion verbrannt wird, weil die Qualität der billigen Kleidung für die Sammler keinerlei Wert mehr hat und sie die Entsorgung teilweise sogar bezahlen müssen. Und kaum einer weiß, dass diese Kosten zu einem großen logistischen und finanziellen Problem der Sammler werden und das ganze System der karitativen und gewerblichen Sammler gefährden (siehe auch mein Interview mit Thomas Ahlmann von FairWertung).

Nur wie ist es bei allem anderen, das wir besitzen aber nichtmehr wollen? All die billigen kleinen Dinge die wir nicht brauchen und auch nie geplant haben zu kaufen, bis wir Kaffee holen und bei Tchibo landen. “Jede Woche eine neue Welt”, die uns regelmäßig “Inspiration” schenkt und durch ein schnell wechselndes Sortiment ködert. Im übrigen machen Discounter wie Lidl mit ihrer Aktionsware und Shopping Clubs wie Westwing und Co. auch nichts anderes - sie “inspirieren” uns mit einem künstlich limitierten Angebot und einer Urgency zum impulsiven Kauf von Dingen, die wir irgendwann wieder loswerden wollen und nicht wissen wohin damit. Für diese Dinge gibt es aber leider keine Container. Wegwerfen will sie aber auch niemand, schließlich sind sie ja nicht kaputt, sondern nur nicht mehr en vogue. Alles einzeln zu verkaufen ist eine Qual und bringt nicht viel ein, außer Stress. Daher lauern viele bis es Aktionen für Sachspenden gibt, zum Beispiel ans lokale Tierheim oder einen karitativen Flohmarkt. Hauptsache die Dinge müssen nicht weggeworfen werden und wir müssen uns nicht eingestehen, dass wir zu viel und unnötig konsumieren. Wie gut, dass es jetzt Rebound Stuff gibt!

Allerdings ist es wie mit aller Fast-Fashion, Dinge die wir im Überfluss auf dem Markt haben und die keine Materialqualität und Wertbeständigkeit haben, sind von keinem oder geringem Wiederverkaufswert. Und das war unsere dritte Erkenntniss: Leute scheinen davon überrascht.


3. Der Wiederverkaufswert von Dingen wird meist überschätzt.


Die Gleichung ist einfach: Wenn man selbst etwas als Massenprodukt gekauft hat, verkauft man wahrscheinlich das Gleiche wie alle anderen zur gleichen Zeit (wenn es außer Mode ist). Das Überangebot drückt auch den Preis im Sekundärmarkt, genauso wie im Neuwarenmarkt. Ein Kunde schickte mir zum Beispiel das Trainingsgerät, den AB Doer Twist. Vor 8 Jahren kam das Gerät auf den Markt. Es wurde ordentlich Marketing dafür gemacht und kostete damals ca. 200 Euro. Dann merkten wohl viele, dass es kein so gutes Gerät ist. Es kam in der Originalverpackung. Bei ebay gab es schon 110 Angebote, 20 davon ab einem Euro. Der Kunde war überrascht, von unserem Angebot von einem Euro. Viele überschätzen den Wert ihrer Ware, da sie selbst immer noch den Neupreis vor Augen haben. Oft ohne die aktuelle Nachfrage ODER die Gebrauchsspuren zu sehen. Die hat man ja schließlich selbst verursacht hat und sie nicht so schlimm findet (siehe hierzu auch den Post zum Endowment-Effekt).

Für den Markt sind diese Mängel, Gründe, die den Artikel wertlos und nicht wieder verkaufbar machen. So erhielten wir auch zwei schöne Tassen, für die der Kunde einst 800 Euro bezahlt hat. Beide hatten einen Sprung und keine Untertasse mehr. Wer Dinge nicht pfleglich behandelt, zerstört ihre Funktion und ihren Wert. Das weiß jeder, der schon einmal einen Wollpullover verwaschen hat.

Auf all das waren wir vorbereitet und gespannt zu sehen, mit welchen Kuriositäten wir es zu tun bekommen und welche Normen sich offenbaren. Aber wenn man 4 Monate lang hunderte von Boxen selbst ausgepackt, ist man von der Realität dieser Dinge doch irgendwie erschlagen. Die Masse an Dingen zu sehen. Den Zustand der Dinge zu sehen. Und dann die Hilflosigkeit der Leute zu sehen, die von Unternehmen zum Kauf von Dingen “inspiriert” werden und dann überfordert mit der Menge der Dingen, die sich allmählich in ihren Wohnung und Häusern ansammeln und mit der sie völlig allein gelassen werden.


Dieses Problem kann ReboundStuff nicht alleine lösen.


Daher gönnen wir uns jetzt erstmal eine Sommerpause vom auspacken und sortieren der Boxen und denken darüber nach, wir wir mit den Zeichen der Zeit umgehen wollen.

Der Boxankauf ist also ab heute ON HOLD und wir kümmern uns derweil um Kundenfeedback, Technik, Kommunikation.